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HEK Net Works

HEK Net Work Iocose
IOCOSE, Moving Tasks Forward, 2020

Im März 2020 startete das HEK die Projektreihe HEK Net Works, für die Künstler:innen eingeladen werden, eigens für die digitalen Kanäle des HEK netzbasierte Projekte zu realisieren. Sie sollen den digitalen Raum auf die Art und Weise besetzen, die ihrer künstlerischen Praxis entspricht

Die Reihe begann während des Covid 19 bedingten ersten Lockdowns im März 2020 im Wochenrhythmus und wurde seit dem Sommer 2020 mit einem monatlichen Beitrag fortgesetzt.

Die Pandemie bedingte Schliessung von Museen weltweit schwächte die ohnehin prekäre Situation von Künstler:innen, die über kein regelmässiges Einkommen verfügen. Mit dieser Initiative unterstützte das HEK die Arbeit von Künstler:innen, die netzbasierte Projekte schaffen. Mittlerweile hat sich die Reihe als fester Bestandteil der Online Aktivitäten des HeK etabliert.

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Markus Aebersold & Chris Handberg

“…the more there is”

Videostill aus "... the more there is" von Markus Aebersold und Chris Handberg

Markus Aebersold und Chris Handberg haben eine audiovisuelle Komposition als eine Exploration von akustischen und imaginären Räumen geschaffen. Beeinflusst von den Bedingungen der Isolation - der Text wurde tatsächlich während des Lockdowns in Island geschrieben - lädt das Werk den Betrachter ein, in eine geführte meditative Erfahrung einzutauchen. Die Künstler fragen, ob die imaginierten Erfahrungen mehr oder weniger real sind als die gelebten, und entsprechend fragen sie, ob virtuelle Online-Erfahrungen weniger oder genauso einschneidend sind wie Erfahrungen in der realen Welt. Inwieweit können imaginierte Räume und Objekte Bedeutungen vermitteln, wenn sie nie mit anderen Personen kommuniziert oder geteilt werden?

Die Arbeit ist auf HEK's Vimeo zugänglich. Die Künstler empfehlen den Betrachtern, Kopfhörer zu benutzen und das Video im Vollbildmodus abzuspielen.

In ihrer künstlerischen Praxis erforschen Markus Aebersold und Chris Handberg die Beziehungen zwischen dem technologischen und dem spirituellen menschlichen Wesen. Dabei kommen häufig Themen, wie Angst vor der Digitalität, Vertrauen in die Wissenschaft und Realitätswahrnehmung, auf. Sie arbeiten mit den Brücken, die unsere Sinne zwischen dem virtuellen, physischen und mentalen Raum schlagen, und mit unserer Fähigkeit, an alle drei Räume gleichzeitig zu glauben.

Der künstlerische Dialog des Duos bringt Werke hervor, die eine Materialisierung gemeinsamer Erinnerungen an eine nicht existierende technologische Mythologie darstellen. Die Arbeiten sind gleichzeitig Monumente, Repräsentationen und Materialisierungen dieser Mythen. Markus Aebersold (*1988 CH) und Chris Handberg (*1989 DK) leben und arbeiten in Basel, wo sie 2017 gemeinsam ihr Studium an der Kunsthochschule HGK FHNW abgeschlossen haben. Sie wurden 2020 für den Swiss Emerging Artist Prize und 2021 für den Basler Medienkunstpreis nominiert.

UBERMORGEN

crypto manifesto tokens #1 - #10

HEK Net Works im Oktober und November kommt in Form eines 10-teiligen NFT-Manifests von UBERMORGEN, den crypto manifesto tokens #1 - #10.

Weder politisch, noch ideologisch - aber durchaus aktionistisch, investigativ und gerne auch mal provokant, so präsentiert sich das international aktive Künstler:innenduo UBERMORGEN. Die Arbeit von lisvlx und Luzius Bernhard basiert auf intensiver Recherche und mündet meist in netzbasierten Projekten, Codes und bewusst störenden Eingriffen in diverse Systeme, seien es Massenmedien, Technologien oder sogar der Rechtsstaat.

UBERMORGEN erlangte durch die Medienberichterstattung über ihr Projekt Vote-Auction erstmals internationale Bekanntheit. Es handelte sich dabei um eine Online-Auktionsplattform, die während der US-Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000 die Möglichkeit bot, die eigene Wähler:innenstimme zum Verkauf anzubieten. Andere Arbeiten des Duos sind keineswegs weniger kritisch und provokant. GWEI – Google Will Eat Itself etwa hat zum Ziel, den Global Player Google zu dekonstruieren, indem durch die Nutzung von Online-Werbeflächen generiertes Einkommen automatisch in Google-Anteile investiert und an Nutzer:innen rückverteilt wird.

Auch am NFT-Markt ist UBERMORGEN seit dem Launch ihrer Serie The D1cks präsent. Mit dem Launch dieser Pixel-Penis-Bilder nimmt UBERMORGEN eine ironische Haltung gegenüber dem Hype von Designer-NFTs ein, vor allem in Hinblick auf deren Nutzung als selbstrepräsentative Profilbilder. Auf die Designer-Avatare folgt nun eine neue Kollektion der NFT «Haute Couture» aus dem Hause UBERMORGEN, in Form der NFT-Serie crypto manifesto token #1-#10. Auch diese Arbeit des Duos referenziert humorvoll den Hunger nach prestigeträchtigen NFTs.

Alle drei Tage im November wird ein neuer crypto manifesto token gemintet, zu erwerben in Form von NFTs auf der Plattform fx(hash). Jeder Token enthält ein Manifest-Statement in der aktionistischen Tradition von UBERMORGEN.



Artist Statement:

UBERMORGEN
crypto manifesto token #01-#10
chain my heart

The últra contemporary! minted declaration of intentions, motives, & views of UBERMORGEN caught in 16k, merged in 2018, wounded amour-propre lab-grown meat of post crypto 1995.

On methodologies, politics of existence, legal & structural models, beyond media, NFT haute couture, new chain structured media & web(3) reality & ¿Gesamtkunstwerk? Biopunk & financial curiosity in l'origine du pixel one-of-one polarising dark research & radical AI, pink binary primitivism & conceptualism.

What does it even mean?

Entertainment is our success.

Bio:

UBERMORGEN (‘the day after tomorrow’, CH/AT/US, *1995) is an artist duo with a steady worldwide presence, a synthesis of autistic actionist lizvlx (Liz Katlein) & pragmatic visionary Luzius Bernhard (formerly Hans Bernhard). They are net.art pioneers, ‘Media Hackers’ widely recognized for their Online Actionism, Haute Couture NFTs & Websites, Polarising Social Experiments, Radical Research, Dark AI, Binary Primitivism & Conceptualism; Artfacts calls their work ‘Ultra Contemporary’. CNN called them 'Maverick Austrian Business People' during their Vote-Auction project, reaching 500 million worldwide & challenging the FBI, CIA, & NSA (US presidential election 2000). A series of conceptual hacks (EKMRZ Trilogy, 2005-08) shook the foundations of the dominating e-commerce giants: ‘Google Will Eat Itself’, ‘Amazon Noir’, & ‘The Sound of eBay’. In 2021, ‘The Next Biennial Should be Curated by a Machine’ used AI-TikTikPop to catapult visitors into 64 twisted parallel universes. Today ‘UNINVITED’ AI Horror Film & Crypto Art collide to create deeply nostalgic synthetic organisms and ‘The D1cks’, hand-pixelated 1 of 1 Haute Couture NFTs reveal ‘L‘Origine du pixel’. UBERMORGEN's work has been exhibited throughout the world, for example in New York, Sydney, Shanghai, Singapore and Tokyo, often in digital spaces.


WEB http://ubermorgen.com
INSTAGRAM @ubermorgen_77
TWITTER @UBERMORGEN_COM
EPK: https://www.ubermorgen.com/UM/UBERMORGEN_PORTFOLIO_EPK_8MB.pdf

DISNOVATION.ORG

«LIFE SUPPORT SYSTEM»

Die Reihe HEK Net Works zeigt ein netzbasiertes Projekt, das speziell für unsere Online-Räume, Website und sozialen Netzwerke produziert wurde. Diesen Monat präsentieren wir LIFE SUPPORT SYSTEM von DISNOVATION.ORG.

Der westliche Blick auf die Welt die uns umgibt beruht im Wesentlichen auf einem wirtschaftlichen Verständnis der Umwelt. Wenn wir an natürliche Rohstoffe denken, nehmen wir unseren Konsum in den Blick, und bewerten sie ausgehend von ihrem ökonomischen Nutzen für uns. Die Bedeutung der Arbeit, die die Biosphäre und alle darin vorkommenden Ökosysteme leisten – und damit die Entstehung von Leben ermöglichen – wird einzig an ihrem direkten, extrinsischen Wert für die menschliche Spezies gemessen. Für die HEK Net Works Ausgabe des Monats überträgt DISNOVATION.ORG live das Indoor-Weizenfeld LIFE SUPPORT SYSTEM über die HEK Website, welches die Dimensionen der Arbeit, die unsere Biosphäre verrichtet, erst greifbar macht.

DISNOVATION.ORG führen uns unsere Beziehung zur Umwelt vor Augen, indem sie in einem künstlichen, hydroponischen System Weizen auf einem präzise ausgemessenen Feld von einem Quadratmeter anbauen. Alle notwendigen Stoffe für das Pflanzenwachstum, wie Wasser, Licht, Wärme und Nährstoffe werden systematisch berechnet und sind jederzeit für die Betrachter:innen einsehbar. Das LIFE SUPPORT SYSTEM hat mit seiner Fläche von einem Quadratmeter die Kapazität, alle vier Monate die für einen Menschen nötige Kalorienzufuhr für einen einzigen Tag zu generieren. Um einen Menschen mit ausreichend Nahrung für ein Jahr zu versorgen, währen 100 solche Weizenfelder nötig, die pausenlos betrieben werden. In Anbetracht dessen, dass Weizen als ein Grundnahrungsmittel den Grossteil der notwendigen Kalorienzufuhr der Menschen in Europa quer durch unsere Geschichte gesichert hat, unterstreicht LIFE SUPPORT SYSTEM die immense Menge an Ressourcen und Arbeit, die es braucht, um die Menschheit mit Nahrung zu versorgen. Dennoch nehmen wir die Leistungen unserer Biosphäre für völlig selbstverständlich und denken nicht darüber nach, dass Sonne, Regen, Wind und viele weitere wesentliche Faktoren unserer Nahrungserzeugung kostenlos zur Verfügung stehen. Denn, ohne diese Leistung der Natur, deren von deren Verfügbarkeit wir selbstverständlich ausgehen, würde die künstliche Kultivierung von Weizen, wie wir sie im LIFE SUPPORT SYSTEM sehen, sich auf einen Preis von 200-400 € pro Kilogramm belaufen. Bei einem üblichen Marktpreis von 30 Cent pro Kilogramm für konventionell angebauten Weizen ist dies eine stolze Zahl. Landwirtschaft, wie wir sie kennen, erfordert ein radikales Eingreifen in die Natur. Hydroponische Systeme aber tragen so hohe Material- und Energiekosten mit sich, dass sie, zumindest aktuell, keine haltbare Alternativen dazu darstellen, wie wir in diesem Indoor-Experiment sehen können.

Das LIFE SUPPORT SYSTEM schärft unser Bewusstsein für die immensen Dimensionen jener Arbeit, die wir unsere Ökosysteme kostenlos für uns verrichten lassen. Die im Hintergrund ablaufende Leistung der Biosphäre wird somit wahrnehmbar, was uns dazu veranlassen kann, die Wertigkeit, die wir unserer natürlichen Umgebung zukommen lassen, zu reevaluieren. Immerhin wären unsere ökonomischen Systeme letzten Endes wertlos, ohne den grundlegenden Wert, den unsere Umwelt zur Verfügung stellt.

DISNOVATION.ORG ist ein 2012 in Paris gegründetes Forschungskollektiv, zu dessen Kernmitgliedern Maria Roszkowska (PL), Nicolas Maigret (FR) und Baruch Gottlieb (CA) gehören. Sie arbeiten an der Schnittstelle zwischen zeitgenössischer Kunst, Forschung und Hacking und stellen für jede Recherche maßgeschneiderte Teams mit Akademikern, Aktivisten, Ingenieuren und Designern zusammen. Ihre jüngsten künstlerischen Provokationen zielen darauf ab, Post-Growth-Vorstellungen und -Praktiken zu stärken, indem sie den weit verbreiteten Glauben in Frage stellen, dass "Wirtschaftswachstum" und "technologische Lösungen" die von uns verursachten Störungen des Ökosystems lösen werden. Kürzlich haben sie zusammen mit Nicolas Nova A Bestiary of the Anthropocene, einen Atlas anthropischer Hybridkreaturen, und The Pirate Book, eine Anthologie über Me-dien-Piraterie, herausgegeben. Die Arbeiten von DISNOVATION.ORG wurden weltweit ausgestellt, aufgeführt, veröffentlicht und rezensiert, zum Beispiel im Centre Pompidou (Paris), der transmediale (Berlin), dem Museum of Art and Design (New York) und dem China Museum of Digital Arts (Peking).

Eva & Franco Mattes

Panorama Cat, 01.08.2022

Eva & Franco Mattes, Taxidemy cats, 2022, Photo by Melania Dalle Grave for DSL Studio

Die Reihe HEK Net Works zeigt ein netzbasiertes Projekt, das speziell für unsere Online-Räume, Website und sozialen Netzwerke produziert wurde. Diesen Monat präsentieren wir Panorama Cat von Eva & Franco Mattes.

Die Beliebtheit von Katzen in der Internet-Popkultur fand ihren scheinbaren Höhepunkt in der Manifestierung des Meme-Subgenres LOLcat. In Anlehnung an das Phänomen schufen Eva & Franco Mattes taxidermische Skulpturen wie Half Cat (2020) oder Ceiling Cat (2016), die in ihrer Absurdität eine Metapher für das viral gewordene, vernetzte und oftmals manipulierte Bild veranschaulichen. Indem sie auf die Faszination und Eigenheit des beliebten Meme-Sujets anspielen und dieses in den realen Raum überführen, wird die berüchtigte Katze aus ihrem Kontext herausgelöst und verweist nun auf ihre Bedeutung im physischen Raum. Das Künstler:innenduo Eva & Franco Mattes stellt seit Mitte der 90er Jahre die netzbasierte Bildwelt in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Durch ihre Praxis fordern die Künstler das Publikum auf, seine Stellung als Empfänger und Mitwirkende von Online-Inhalten zu überdenken, und halten gleichzeitig den Verhaltensmustern der vernetzten Gesellschaft einen Spiegel vor. Für die diesmonatige Ausgabe der HEK Net Works-Reihe und als Fortsetzung des Katzen-Epos präsentieren Eva & Franco Mattes eine auf sozialen Medien basierende Version des LOLcat-Memes.

Statement der Künstler:

Panorama Cat ist eine Skulptur, die auf dem Internet-Phänomen "Panorama fails" basiert. Bei der Panoramafotografie handelt es sich um eine Technik der Fotografie, bei der mithilfe spezieller Software Bilder mit horizontal verlängerten Sichtfeldern aufgenommen werden. Früher war die Erstellung von Panoramen sehr mühsam und nur technisch versierte Fotografen wussten, wie man Fotos manuell am Computer zusammenfügt. Das hat sich in den letzten Jahren mit der Einführung der Panoramafotofunktion in Mobiltelefonen geändert, die es jedem ermöglicht, ein Panoramafoto zu machen, denn "das Telefon kann alles für Sie tun". Mit der Popularisierung dieser Funktion kam auch eine Flut von Fehlern: "Panorama-Fehlschläge, die so schlecht sind, dass sie gut sind".

Eva & Franco Mattes (IT) sind ein Künstlerduo mit Sitz in New York. Sie zählen zu den Pionieren der webbasierten Künstler. Ihre Arbeiten reichen von Videos über Installationen bis hin zu Websites und entwickeln sich mit dem Internet als Medium weiter. Die oft humorvollen Arbeiten von Eva & Franco Mattes beschäftigen sich mit den sozialen, ethischen und politischen Auswirkungen des vernetzten Lebens auf die Gesellschaft. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt und sind in den Sammlungen des SFMOMA (San Francisco), des Whitney Museum of American Art (New York), des Fotomuseums Winterthur, des X Museum (Karlsruhe) und des Walker Art Center (Minneapolis) vertreten.

Eva Papamargariti

Untether (Exhaustion/Excess), 01.06.2022

Eva Papamargariti, Untether (Exhaustion/Excess), 2022, Video still.

Für die Reihe HEK Net Works zeigte die Künstlerin auf den sozialen Medien von HEK eine Sammlung kurzer Filmsequenzen von Avatar:innen, die uns mit geheimnisvollem Verhalten und Monologen unterhielten.

Mit Hilfe von 3D-Modellierungs- und Animationssoftware erschafft Eva Papamargariti fantastische, fast schon bizarre Landschaften und Kreaturen, die aus der Kombination von ungleichartigen oder widersprüchlichen Elementen entstehen. Die Serie an Videos ergänzte Papamargaritis Präsenz an der Liste Art Fair in Basel, wo HEK als Gast vertreten war.

Stellungnahme der Künstlerin:

«Untether (Exhaustion/Excess) ist eine kurze Serie von Filmsequenzen, die sich um eine Reihe von Körpern dreht, die manchmal als einziger kollektiver Körper und manchmal als individuelle Wesen auftauchen. Diese eigentümlichen Avatare, die an eine Mischung aus Videospielfiguren und mythologischen Kreaturen erinnern, machen Gesten, bewegen ihre Körper auf lethargische oder ekstatische Weise, und lassen sich sowohl auf unerwartete als auch banale Bewegungen und Ausdrucksformen ein – während sie sich immer wieder zusammenfinden, abstossen oder miteinander vereinen und so eine unheimliche Choreografie inszenieren, in der sie versuchen, sich in ihrer Individualität zu finden. Gelegentlich stellen sie Fragen und offenbaren intime Gefühlswelten, wobei unklar ist, ob sie dazu Monologe oder Dialoge führen – oder ob sie versuchen, mit dem Publikum oder anderen Wesen/Avataren zu kommunizieren.»

HEK Net Works präsentierte Eva Papamargariti Arbeit Untether (Exhaustion/Excess) von 01.06.2022 bis 30.06.2022.

Eva Papamargariti ist eine in London und Athen lebende Künstlerin. Ihre Arbeiten hat sie bereits in verschiedenen Institutionen, Museen und auf Festivals wie dem New Museum (New York), Whitney Museum (New York), Tate Britain (London), MAAT Museum (Lissabon), Museum of Moving Image (New York), MoMA PS1 (New York), Montreal Museum of Contemporary Art (Montreal), der Athen Biennale (Athen), Thessaloniki Biennale (Thessaloniki) und dem Transmediale Festival (Berlin) gezeigt.

Studer / van den Berg

fungible giveaway, 01.05.2022

Studer / van den Berg, fungible giveaway, 2022.

Für die HEK Net Work Serie im Mai forderten Studer / van den Berg uns dazu auf, mehr wie Pilze zu sein.

The Republic of Fungi, ein laufendes Projekt des Künstler:innenduos Studer / van den Berg, beschenkt uns mit einem fungible giveaway. Jeder einzigartige, in Echtzeit generierte, digitale 3D-Pilz ist mit einem nummerierten HTML-Zertifikat versehen, das den Fungus nach dem Herunterladen in einem Webbrowser betrachten lässt. Wirte können ihren Pilz beim Rotieren beobachten, sich von seiner unermüdlichen Drehung faszinieren lassen sowie deren Zertifikate teilen oder austauschen, um eigene Netzwerke aufzubauen. In einer Zeit hyperkommerzialisierter Netzwerke ist das kostenlose, austauschwillige fungible giveaway ein Kommentar zum laufenden Diskurs zu non-fungible Tokens (NFTs) und eine Hommage an die Pilzkultur. Als Metapher für die symbiotische, aber gleichsam parasitäre Koexistenz innerhalb eines Netzwerks, die in der Lage ist, Substanzen im Austausch mit der Umwelt zu produzieren, wird der Pilz als Vorbild für eine posthumane, vernetzte Gesellschaft in Betracht gezogen.

Das fungible Token kann über den folgenden Link heruntergeladen werden: http://studervandenberg.ch/Rep...

Um eine in Echtzeit generierte 3D-Ansicht des Pilzes zu erhalten, navigiere zu deinem Download-Ordner und suche den Geschenkgutschein mit dem Namen «giveawayXXX.html». Öffne die Datei in deinem Webbrowser (Google Chrome oder Firefox) und klicke auf die Schaltfläche «mushroom».

HEK Net Works präsentierte Studer / van den Bergs Arbeit fungible giveaway von 01.05.2022 bis 31.05.2022.

Studer / van den Berg ist ein Schweizer Künstler:innenduo, das seit über 30 Jahren die Schweizer Medienkunst prägt. Monica Studer aus Zürich und Christoph van den Berg aus Basel sind nicht nur Pioniere der Schweizer computerbasierten Kunst, sondern sind mit ihrem Werk, das charakteristisch die Beziehung zwischen dem physischen und digitalen Raum untersucht, auch international präsent. Ihre Werke zeichnen sich aus durch feinsinnige fiktive, in hybride Kulissen platzierten Narrationen. Durch die Verwendung von aktuellen Technologien und Medien hinterfragen Studer / van den Berg deren Entwicklung und Einfluss auf die physische Welt.

Myriam Thyes

SMART PANTHEON RGB, 01.04.2022

Myriam Thyes, SMART PANTHEON RGB, 2022

In ihrer interaktiven Videoarbeit SMART PANTHEON RGB thematisiert Myriam Thyes die nahezu religiöse Hingabe, die wir unseren Mobilgeräten entgegenbringen.

Die Arbeit verweist auf Michelangelos Fresko «Die Erschaffung Adams» in der Sixtinischen Kapelle, einer Darstellung der Schöpfungsgeschichte der Genesis, auf der sowohl Gott als auch der erste Mensch, Adam, mit einander entgegengestreckten Armen und Händen abgebildet sind. Das Werk erlaubt uns in die Rolle beider zu schlüpfen, in die der Hand Gottes und die der Hand Adams. Mit sanften Zoom-Gesten bewegen wir uns spiralförmig in einer Endlosschleife von Händen, die Smartphones bedienen. Eine sinnliche Arbeit, die sich auf die Bewegung der Hände konzentriert und über die Beziehung zu unserem Smartphone nachdenken lässt. In Zusammenarbeit mit Carsten Heisterkamp hat die Künstlerin für die in diesem Monat stattfindende HEK Net Works-Reihe eine Arbeit geschaffen, die auf ihrer früheren Videoarbeit Smart Pantheon basiert und die Benutzer:innen tiefer in ihre Mobilgeräte eintauchen lässt.

Die Arbeit konnte unter folgendem Link aufgerufen werden und ist am besten geeignet für iPhones und iPads: smartpantheon.thyes.com

HEK Net Works präsentierte Myriam Thyes Arbeit SMART PANTHEON RGB vom 01.04.2022 bis 30.04.2022.

Myriam Thyes ist eine Schweizer und Luxemburgische Künstlerin, die derzeit zwischen Düsseldorf und Zürich lebt und arbeitet. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen soziale und kulturelle Symbole sowie Fragen zu deren Einfluss und Wandel im Laufe der Zeit. Durch ihre bildhafte Arbeit mit Symbolen will sie Perspektiven erweitern und zum Austausch anregen. Thyes studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und hat international in verschiedenen Institutionen und auf Festivals ausgestellt sowie zahlreiche Preise erhalten. Sie wird von der Stiftung imai, Düsseldorf, und videokunst.ch, Bern, vertreten.

Dorota Gawęda & Eglė Kulbokaitė

Południca, 01.03.2022

Dorota Gawęda & Eglė Kulbokaitė, Południca, 2021.

In der Form einer animierten Video Reihe des Künstlerinnen Duos Dorota Gawęda und Eglė Kulbokaitė treibt die slawische Dämonin Południca auf HEKs Sozialen Medien um die Mittagszeit ihr Unwesen.

Einem slawischen Volksglauben zufolge erscheint Południca, auch Mittagsmädchen genannt, den Feldarbeiter:innen zur heissesten Tageszeit und quält sie mit schwierigen Fragen. Diejenigen, die diese Fragen nicht richtig beantworten können, erleiden verschiedene Strafen und Qualen, die von Flüchen bis hin zur Enthauptung reichen. Im Laufe des Monats März werden Gawęda und Kulbokaitė auf HEKs Instagram-Account
einen audiovisuellen Zusammenschnitt von neuen Animationen und Videomaterial veröffentlichen, der auf der neuesten Performance Arbeit -lalia basiert. Indem sie mit der Mehrdeutigkeit der mythologischen Figur spielen und sie in einen moderneren Kontext übertragen, schaffen die Künstlerinnen eine Metapher für zeitgenössische Ängste angesichts des ökologischen und sozialen Unbehagens.

HEK Net Works präsentierte Dorota Gawęda und Eglė Kulbokaitės Arbeit Południca vom 01.03.2022 bis 31.03.2022.

Dorota Gawęda und Eglė Kulbokaitė sind ein seit 2013 bestehendes Künstlerduo mit Sitz in Basel. Ihre interdisziplinäre Arbeit rund um Feminismus und Fiktion umfasst Performance, Installation, Duft, Skulptur, Malerei und Video. Die zwei Künstlerinnen aus Polen und Litauen sind Absolventinnen des Royal College of Art in London, Grossbritannien. Das Künstlerinnen Duo hat unter anderem bereits im Kunstverein Hamburg (2021), Centre d’Art de Genèva (2021), Kunstverein Leipzig (2021), Swiss Institute, New York (2020), Den Frie, Copenhagen (2020), MWW, Wroclaw (2020), Kunstverein Düsseldorf (2020), Palais de Tokyo, Paris (2018), 6th Athens Biennale (2018), MMOMA, Moscow (2018), ICA, London (2017), MOMA, Warsaw (2016), Berlin Biennale 9 (2016) und MaM, Paris (2015) ausgestellt. Sie waren Teil von verschiedenen internationalen Residenzen wie unter anderem der Alserkal Arts Foundation, Dubai (UAE), La Becque, La Tour-de-Peilz (CH) und Onassis AiR,
Athen (GR). Gawęda and Kulbokaitė sind Preisträgerinnen des Swiss Performance Art Awards 2021 und der CERN Collide Residency 2022. Ausserdem sind sie Gründerinner der Young Girl Reading Group (2013 - 2021).


Dani Ploeger & Greenman Muleh Mbillo

Ûiiti, 01.02.2022

Dani Ploeger & Greenman Muleh Mbillo, Ûiiti, 2022.

In ihrer Arbeit Ûiiti (die Behandlung) kehren Ploeger und Mbillo die gängigen Funktionen von Smartphones um. Aus den vernetzenden Gerätschaften, die uns unwiderruflich von einer App zur anderen wechseln lassen, uns mit Tönen, aufploppenden Nachrichten und Vibration immer wieder unsere Aufmerksamkeit fordern, werden Medien der innerer Besinnung, Meditation und Transzendenz.

Indem Ploeger und Mbillo eine digitale Leinwand erschaffen, mit der durch Berührung wiederholende Tonmuster erzeugt werden können, versetzen sie die Nutzer:innen in einen kontemplativen Zustand. Während der Verwendung der App werden alle anderen Funktionen des Handys blockiert, sodass man sich gänzlich auf den Prozess einlassen kann. Ploeger und Mbillo entlarven und instrumentalisieren so unseren alltäglichen Handyfokus und führen uns in eine neue Nutzung und Betrachtung dieses ständigen Begleiters ein. Die symbolischen Formen des Designs sind inspiriert durch eine spirituelle Erfahrung, die beide Künstler bei einem traditionellen Heiler des kenianischen Akamba-Stammes hatten. Die anstimmenden Klänge stammen von Feldaufnahme eines rituellen Instruments, die Ploeger und Mbillo in Kenia aufgenommen haben. Die App kann über den Google Playstore heruntergeladen werden und ist nur mit Android nutzbar: play.google.com

Die Applikation «Ûiiti» versetzt den Bildschirm in den Pin-Modus. Um den Pin-Modus zu verlassen, sind die folgenden drei Manipulationen möglich:

  • Navigation mit Gesten: Nach oben wischen und halten.
  • 2-Tasten-Navigation: Berühren und halten Sie Zurück und Home.
  • Navigation mit 3 Tasten: Berühren und halten Sie Zurück und Übersicht.


HEK Net Works präsentierte Dani Ploeger und Greenman Muleh Mbillo's Werk Ûiiti vom 01.02.2022 bis 28.02.2022.

Greenman Muleh Mbillo ist ein in Nairobi lebender Denker, Landwirt, Künstler und Philosoph er befasst sich mit dem alten Akamba-Systems und seinen Traditionen. Er hat Maschinenbau studiert, seine aktuellen Interessengebiete aber hauptsächlich durch Studien in nicht-institutionellen Kontexten entwickelt, unter anderem betrachtete die medizinische Praxis und beschäftigte sich mit den Praktiken der Priesterin Kanukwa.

Dani Ploeger
ist ein Medien-, Konzeptkünstler und Kulturtheoretiker. Er wuchs auf dem Lande in den Niederlanden auf und promovierte schließlich an der University of Sussex, Großbritannien, in Medienwissenschaft und Performance. Derzeit ist er Forschungsstipendiat an der Royal Central School of Speech and Drama, Universität London, und Fellow am V2_Lab for the unstable media in Rotterdam. Seine Arbeiten werden von Art Claims Impulse in Berlin vertreten.

Seit 2016 haben Dani und Greenman im Rahmen von www.disobedientdevices.org an verschiedenen künstlerischen Forschungsprojekten in Kenia mitgearbeitet. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Nairobi National Museum, der Alliance Française Nairobi und dem British Institute in Eastern Africa ausgestellt.
Weitere Informationen über den Hintergrund der Arbeit sind in diesem Text von Greenman und Dani zu finden: www.disobedientdevices.org/tech-of-transcendence


Katrin Niedermeier

Somehow Clothing, 07.12.2021

Katrin Niedermeier, Somehow Clothing, 2021

In ihrer Arbeit reflektiert Katrin Niedermeier die oszillierenden Verbindungen zwischen dem virtuellen Raum und der realen Welt und untersucht den Einfluss von Technologien und der digitalen Wirtschaft auf die menschliche Existenz. Ihre jüngste Arbeit Somehow Clothing verschränkt die virtuelle Welt der Avatare und den Handel mit digitalen Artefakten mit Performances, Videos und der Herstellung von realer Kleidung.

Niedermeier kopierte digitale Produkte, die online zum Verkauf angeboten werden, wie weibliche Avatare und ihre fiktiven Accessoires und Umgebungen, sowie die Werbeelemente auf den Websites, die diese Produkte verkaufen, wie Slogans und Lizenzverträge. Aus diesen Elementen hat die Künstlerin eine limitierte Serie von Kleidern, Pullovern und Schals hergestellt. Diese Kleidungsstücke sind somit eine Übersetzung digitaler Informationen in gestricktes analoges Material, wobei jedes Kleidungsstück spezifisch die inaktiven Posen auf den Avatar-Verkaufswebsites darstellt. Diese Arbeit bezieht sich hauptsächlich auf Stereotypen in Bezug auf die Darstellung von Frauenkörpern und deren Funktionen in virtuellen Universen. In einer späteren Phase werden diese Pullover von der professionellen Tänzerin Zina Vaessen interpretiert, die die Posen der virtuellen Avatare, die in die Kleidungsstücke übertragen werden, in einem zeitgenössischen Tanz interpretiert.

Die Videos der Tänze werden in den sozialen Netzwerken des HEK veröffentlicht, wodurch sich der Kreislauf zwischen dem Virtuellen und dem Realen schließt - oder vielmehr vervielfältigt. Durch diese vielschichtigen Aktionen der Übersetzung, des Feedbacks und der Wiedereinführung in die neuen Medien können diese Avatare vom Publikum reaktiviert werden, das die Kleidungsstücke kaufen und sie seinerseits tragen kann. Die Kleidungsstücke wurden auf der Website des Künstlers zum Verkauf angeboten:

https://katrinniedermeier.com/...

HEK Net Works präsentierte Katrin Niedermeiers Arbeit Somehow Clothing vom 07.12.2021 bis 10.01.2022.

Katrin Niedermeier (*1978 in München, DE) machte 2019 ihren Masterabschluss am Institut Kunst HGK, FHNW in Basel. Zuvor studierte sie Modedesign in München und Oslo und arbeitete als Designerin für Christian Dior und Jeanne Lanvin in Paris sowie für Nicky Hilton in Los Angeles. Zu ihren jüngsten Ausstellungen und Videovorführungen gehören: To Be Human in Zona Mista, London (2021), Phenomenal Ocean im Ocean Space, Venedig (2019), ihood im Kunsthaus Baselland, Muttenz (2019), color your color in EMAP Ewha Media Art Presentation, Seoul (2019), Hidden Bar, Art Basel (2019) und die Gruppenausstellungen Digital Festival DA-Z, Zürich (2020), und Hyperconscience im Shadok, Strasbourg (2018).


Ed Fornieles

Associations 12#, 08.06.2021

HEK Net Work Fornieles
Ed Fornieles, Associations 12#, 2021

Ed Fornieles jüngstes Projekt Associations ist ein persönlicher Blick auf die kulturelle Umgebung, in der wir leben. Der Künstler hat Bilder aus dem Internet gesammelt und sie durch einen assoziativen Prozess, der von formalen und inhaltlichen Ähnlichkeiten ausgeht, in Bildserien geordnet: Vom Bild einer Hand zu dem einer Familie, das dann zu einem Haus und schliesslich zum Globus der Welt führt.

In anderen Beispielen führt die Assoziation eines händchenhaltenden Paares zu einem leidenschaftlichen Kuss, der Globus zu einem Dinosaurier und die offene Handfläche zu dem von Robert Downey Jr. interpretierten Superhelden Tony Stark. Durch das Erstellen von Assoziationsketten kartographiert Fornieles seine eigenen Vorlieben, Geschmäcker und Voreingenommenheiten sowie die Grenzen eines grösseren Raums von kulturellen Möglichkeiten. Wie in seinen früheren Arbeiten veranschaulicht der Künstler hier seine fortlaufenden Untersuchungen dazu, wie Identität durch die fortwährende Myriade von Zwängen, die das tägliche Leben ausmachen, geformt, reproduziert und aufrechterhalten wird. Ed Fornieles' Associations 12# war vom 08.06. bis 07.07.2021 im Instagram Feed des HEK zu sehen.

Ed Fornieles ist ein in London arbeitender Künstler. Er hat bereits in der Serpentine Gallery, der Chisenhale Gallery, dem Martin Gropius Bau und in verschiedenen anderen Institutionen und Galerien ausgestellt.

Martina Menegon

It feels like home, 11.05.2021

HEK Net Work Menegon
Martina Menegon, It feels like home, 2021

In It feels like home verhandelt Martina Menegon die Wahrnehmung und Formen ihres Körpers. Menegons grob 3D-gescanntes Schlafzimmer wird in orthogonaler Ansicht präsentiert und füllt sich zyklisch mit extrem niedrigen Polygon 3D-gescannten virtuellen Klonen ihrer selbst – jeweils in perspektivischer Ansicht.

Dieser sehr persönliche und intime Raum ist nun online für alle zugänglich, und seine virtuellen Bewohner:innen werden trotz ihrer virtuellen Natur wahrnehmbar, wenn der Cursor sie berührt und mit ihnen interagiert. Zu jeder neuen Stunde oder bei jedem Seitenrefresh kann sich die Schwerkraft des virtuellen Raums zufällig verändern und so eine Verschiebung der Raumwahrnehmung bewirken. Ton von Alexander Martinz. Das Werk war vom 11.05. bis zum 08.06.2021 hier zu sehen.

Die Künstlerin Martina Menegon arbeitet mit interaktiver Mitteln und erweiterter Realität (augmented reality). In ihren Arbeiten schafft sie intime und komplexe Assemblagen aus physischen und virtuellen Elementen, die das zeitgenössische Selbst und seine synthetische Körperlichkeit erforschen. Sie experimentiert mit dem Unheimlichen und Grotesken, dem Selbst und dem Körper sowie dem Dialog zwischen der physischen und der virtuellen Realität, um desorientierende Erfahrungen zu schaffen, die trotz ihrer virtuellen Natur wahrnehmbar werden. Während des Lockdowns schuf sie verschiedene Arbeiten, beispielsweise in Mozilla Hubs, um dabei ihre Auseinandersetzung mit Virtueller Realität und 3D-Bildern weiter zu entwickeln.

Statement der Künstlerin:
«It feels like home ist eine Online-Intervention, die den synthetischen Raum des Browsers als Bühne nutzt, um eine interaktive, performative und generative virtuelle Skulptur zu entfalten. Mit dem Begriff der digitalen Skulptur experimentierend, reflektiert It feels like home die Ortsspezifität innerhalb der virtuellen wie auch der Offline-Räume. Das Werk durchläuft stündliche und algorithmische Transformationen und wird so zu einem performativen Prozess, der kontinuierlich unerwartete und unvorhersehbare Ergebnisse produziert, die von der Offline-Zeitzone der Besuchenden abhängen. Besonders nach mehr als einem Jahr Pandemie – eingeschlossen im Inneren und ständig online – scheinen die Begriffe von Zeit, Zuhause und persönlichem Raum in ständigem Wandel und Widerspruch; hilflos und vergänglich.»

Menegon (*1988) lebt und arbeitet derzeit in Wien, Österreich. Sie ist Universitätsassistentin und Lehrbeauftragte an der Abteilung für Transmediale Kunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien, wo sie Digitales Design und Virtualität unterrichtet. Ausserdem unterrichtet sie Multimedia Tools für interaktive Kunst an der IUAV Universität in Venedig (MA Digital Exhibit, BA Multimedia Arts) zusammen mit Klaus Obermaier und Stefano D'Alessio. Derzeit ist sie Leiterin des Bereichs Extended Reality und Kuratorin der Area for Virtual Art, einer von sound:frame und Pausanio gegründeten Plattform für immersive Erfahrungen und Begegnungen. Des Weiteren ist sie Teil des Kuratorenteams des New Media Art Festivals des Wiener CIVAFestivals.

Dirk Koy

Raum, 13.04.2021

HEK Net Work Koy
Dirk Koy, Raum, 2021

Dirk Koy schafft überraschende audio-visuelle Arbeiten, in denen die Wahrnehmung des Betrachters oft herausgefordert wird. Seine Arbeit Raumist eine bewegte, 360°, digitale und analoge Zeichnung, die während des Lockdowns entstand. In dieser Zeit, in der die Bewegungsmöglichkeiten stark eingeschränkt waren, boten nahegelegene Räume in der Natur, der digitale Raum und der eigene Imaginationsraum die Möglichkeit, das Zuhause zu verlassen und andere Orte zu erleben.

In dieser Arbeit wird ein Raum geschaffen, der die Benutzer:innen an die Schnittstelle zwischen Realität und Virtualität führt. Klang und Bewegung schaffen eine immersive Erfahrung in einer Umgebung, die sich bewegt und organisch anfühlt, aber in ihrer Form nur im digitalen Raum existieren kann. Raumwar vom 13.04.2021 bis zum 11.05.2021 online auf der Vimeo-Seite des HEK sowie auf unseren sozialen Medien zu erleben.

Statement des Künstlers:
«Bleistift-Zeichnung, Fotografie, digitale Textur und Bewegung verschmelzen zu einem grossen Ganzen. Alles scheint in Bewegung versetzt. Der/die Betrachter:in wird Teil des Geschehens und entscheidet welchen Standpunkt er /sie einnehmen will. Die einzelnen Medien-Schichten beginnen untereinander zu korrespondieren und lassen den/die Zuschauer:in in eine unkontrollierte, poröse Welt abtauchen. Unten und oben löst sich auf, einzelne Bild-Schichten brechen auf, scheinbar Untergründiges kommt an die Oberfläche: Unberechenbar, sprunghaft, mit grossen Pausen, dann wieder kontinuierlich. Vertrautes wird fremd, fremdes vertraut.»

Dirk Koy ist ein Schweizer Künstler und Dozent an der HGK FHNW Basel für Time-based-Media. Ursprünglich als Grafiker ausgebildet, arbeitet Koy hauptsächlich mit audiovisuellen Medien. In seinen preisgekrönten Arbeiten experimentiert er mit Alltagsbildern und Umgebungen, die er sowohl in analogen wie digitalen Techniken umsetzt.

Ted Davis

GLITCH.ext, 09.03.2021

HEK Net Work Davis
Ted Davis, GLITCH.ext, 2021

Ted Davis GLITCH.ext ermöglichte es Besucher:innen, die virtuelle Fassade des HEK und die Website hek.ch zu glitchen. Bilder, Texte und alle HTML-Elemente, die die Struktur der Website bilden, konnten von Besucher:innen per Mausklick geglitched werden. Wurde die Maus über das gewählte Element bewegt, war es möglich, den Ausgang des Glitches zu beeinflussen. Aufbauend auf p5.glitch (2020) – einer Glitching-Bibliothek auf Byte-Ebene innerhalb von p5.js – ermöglicht eine dazugehörige Browser-Erweiterung für Chrome die Nutzenden, auch den Rest des Webs zu glitchen. GLITCH.ext war vom 09.03.2021 bis 13.04.2021 auf der Website hek.ch zu sehen.

Die Chrome Erweiterung GLITCH.ext kann im Web Store oder manuell über GitHub installiert werden.

Statement des Künstlers:
«
Da sich die Kultur im vergangenen Covid-19-Jahr vom Physischen ins Virtuelle verlagert hat, ist GLITCH.ext eine Hommage an Glitches im analogen und digitalen Bereich: Erstens an der geglichten Fassade des HEK, dem Werk H3333333K (2015) der !Mediengruppe Bitnik , ein architektonisch umgesetzter JPEG-Glitch. Zweitens angeregt durch das Glitchen von Webseiten wie den Glitch Browser (2005) von Dimitre Lima (DMTR), Ant Scott (BEFLIX) und Iman Moradi, der alle Bilder einer bestimmten Webseite via Proxy-Server JPEG-glitchte. Während meines Masterstudiums hier in Basel (2007-2009), das in einer Diplomarbeit über das Glitching des JPEG-Dateiformats resultierte, Precise Mishandling of the Digital Image Structure, trugen der virtuelle Austausch mit den Künstler:innen hinter Glitch Browserund lokale Video-Sniffing-Workshops der !Mediengruppe Bitnik dazu bei, meine sich entwickelnde Praxis zu formen. Sie fügten sich ein in eine wachsende Auseinandersetzung mit den Begriffen der Enthüllung des Unsichtbaren, der Nutzung digitaler Medien unterhalb der Oberfläche und der vernetzten Kunst. Angefangen mit TEXT2IMAGE und HEADer_REMIX (2009), über die letzten zehn Jahre hinweg, findet der Glitch weiterhin seinen Weg in meine Arbeit, mit seinem endlosen Strom an überraschenden Bildern und einzigartigen Artefakten, die es zu entdecken gilt.»

Ted Davis ist ein Medienkünstler, Designer und Pädagoge, der ursprünglich aus den Vereinigten Staaten stammt und in Basel (Schweiz) lebt. Seit 2010 unterrichtet er Interaktionsdesign am Institut für Visuelle Kommunikation der Hochschule für Gestaltung Basel HGK FHNW. Seine Arbeit und Lehre erforschen die Volatilität digitaler Medien durch Glitches und die Reaktivierung älterer ‚neuer Medien’ durch neuere Programmiermittel. Seine Open-Source-Projekte (basil.js, XYscope, P5LIVE) ermöglichen es Designer:innen, in Adobe InDesign zu programmieren, Vektorgrafiken auf Vektordisplays zu rendern und kollaborativ live kodierte Visuals zu erstellen.

Rosa Menkman

The BLOB of Im/Possible Images, 09.02.2021

HEK Net Work Menkmann
Rosa Menkman, The BLOB of Im/Possible Images, 2021

The BLOB of Im/Possible Images von Rosa Menkman zeigt einige besondere und kaum wahrnehmbare Bilder, die die Künstlerin während ihrer laufenden Forschung gesammelt hat. Während ihres Aufenthalts bei Art@CERN untersuchte Menkman unmögliche Bilder, indem sie Wissenschaftler bat, sich «unmögliche»Bilder von jedem Objekt oder Phänomen vorzustellen, das sie für wichtig halten. Als Ergebnis dieser Untersuchung schuf Menkman eine niedrig aufgelöste Polygon-Wiedergabe des nicht quantifizierbaren Kleckses möglicher und unmöglicher Bilder, die aufgrund der Beschränkungen in den Möglichkeiten unserer Bildverarbeitungstechnologien nur sehr schwer oder gar nicht aufzulösen sind.

Einige dieser Bilder hätten wir sonst nie zu sehen bekommen – sie bleiben unmöglich oder existieren nur in den hypothetischen Ecken des BLOB, der als Archiv der Im/Possible-Bilder fungiert. Die Arbeit enthält auch einen offenen Aufruf für das Zuschicken unmöglicher Bilder mittels eines im Projekt inhärenten Formulars. Menkman lädt die Benutzer:innen dazu ein, neue Bilder für das Archiv beizusteuern. The BLOB of Im/Possible Images war vom 09.02.2021 bis 09.02.2021 zu sehen: newart.city/show/menkman-blob-of-im-possibilities.

Rosa Menkman setzt sich mit dem Ergebnis von Fehlern in digitalen und analogen Medien auseinander. Ihre Arbeit greift gängige visuelle Elemente digitaler Bilder auf, wie Glitches, Verzerrungen und Farbfehler, die in verschiedenen Formaten, darunter Installationen, Videoarbeiten und Online-Projekte, neu kontextualisiert und inszeniert werden. Die Videoarbeit The Collapse of PAL (2010) verwendet verschiedene Glitches zusammen mit einer Audiospur als erzählerische Mittel, um die Geschichte des mittlerweile veralteten PAL-Signals zu erzählen. Auch in verschiedenen Arbeiten wie DCT:SYPHONING (2015-2017) beschäftigt sich die Künstlerin mit der Geschichte der Verarbeitung und Archivierung von digitalen Bilddaten. Unter dem Titel Glitch Moment(um) veröffentlichte sie 2011 ein Buch, das sich mit der ästhetischen und kulturellen Relevanz von Glitch Art auseinandersetzt und diese als Genre etabliert.

Statement der Künstlerin:
«
Meine Arbeit konzentriert sich auf Noise-Artefakte, die durch Fehler in analogen und digitalen Medien entstehen (wie z.B. Glitch und Encoding- und Feedback-Artefakte). Ich denke, dass die aus diesen Zufällen resultierenden Artefakte einen wichtigen Einblick in die ansonsten undurchsichtige Alchemie der Standardisierung von Datenauflösungen ermöglichen können. Die Standardisierung von Auflösungen ist ein Prozess, der unseren Technologien generell Effizienz, Ordnung und Funktionalität auferlegt. Sie beinhaltet nicht nur die Erstellung von Protokollen und Lösungen, sondern auch die Verschleierung von Kompromissen und das Blackboxing von alternativen Möglichkeiten, die dadurch in Gefahr sind, für immer ungesehen oder sogar vergessen zu bleiben. Durch diese Forschung, die sowohl praxisbezogen als auch theoretisch ist, versuche ich, diese anti-utopischen, verlorenen und ungesehenen oder einfach 'zu gut, um umgesetzt zu werden' Lösungen aufzudecken, um neue Wege zu finden, unsere Technologien zu verstehen, zu nutzen und wahrzunehmen.»

Marc Lee

Bobi Wine vs Museveni, 12.01.2021

HEK Net Work Lee
Marc Lee, Bobi Wine vs Museveni, 2021

Die für die Reihe HEK Net Works konzipierte Arbeit Bobi Wine vs Museveniist eine Variation von Marc Lees früherer Arbeit Political Campaigns. Was heute zählt, sind Likes und Retweets, die als Stars (Museveni) und Herzen (Wine) über den Bildschirm wandern und um den Sieg kämpfen. Wie auch immer die Präsidentschaftswahlen ausgehen, sie werden historisch sein. Bobi Wine vs Museveni war vom 12.01.2021 bis 09.02.2021 hier mit diesen Einstellungen zu sehen.

Die Online-Arbeit Bobi Wine vs Museveni filtert aktuellste Twitter- und Youtube-Meldungen heraus, welche die Namen «Bobi Wine» und «Yoweri Museveni» enthalten und verwebt diese zu einer wilden TV-Nachrichtensendung (24/7). Die Arbeit ist eine netzbasierte TV-Show, die uns mit Meinungen konfrontiert, die nicht stets unseren entsprechen. Robert Kyagulanyi Ssentamu, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Bobi Wine ist für die Jugend in Uganda ein Star. Er rappt, macht Politik und ist als aussichtsreichster Präsidentschaftskandidat für Ugandas Langzeit-Präsident Yoweri Museveni bedrohlich. Die Wahl fand am 14. Januar 2021 statt. Bobi Wine ist in der digitalen Revolution aufgewachsen, hat Zugang zu politisch-aktivistischen Strategien und kreativen Ausdrucksmöglichkeiten. Er benutzt das Internet als virtuellen öffentlichen Raum, wo seine Anhänger:innen zusammenkommen, um sein Leben und seine Ideen zu teilen – offen für Kommentare und Auseinandersetzungen. Es gibt mehrere Ugandas in diesem Land. Mit Plattformen wie Twitter und YouTube können wir einen Blick darauf werfen, wie das wirkliche Uganda aussieht und was es denkt. Was sagen die Menschen in Uganda wirklich? Welche Ideen treiben sie an? Welche Art von Diskurs findet auf diesen Plattformen rund um die Präsidentschaftswahlen statt? Kann das Zusammenspiel von künstlerischer und politisch-aktivistischer Strategie zur Demokratie in Uganda führen? Was bedeutet dies für die Zukunft des Landes?

Der Schweizer Künstler Marc Lee schafft netzwerk-basierte interaktive Werke. In seinen Arbeiten experimentiert er mit den Daten und Methoden der Informations- und Kommunikationstechnologien, um deren kulturelle, soziale und politische Auswirkungen kritisch zu untersuchen.

Gysin & Vanetti

24 times, 08.12.2020

HEK Net Work Gysin Vanetti
Gysin & Vanetti, 24 times (from the Clock series), 2020

Die Arbeit 24 times, die für die HEK Net Works Reihe geschaffen wurde, ist Teil der Serie Clock und besteht aus 24 Variationen rund um das Thema Uhrzeit. Jede dieser 24 Uhren zeigt die Tageszeit in Echtzeit an, jedoch in unterschiedlichen und ungewöhnlichen Formaten. Das Ergebnis sind rhythmische Kompositionen aus Zahlen, Buchstaben und Zeichen, wie z.B. die Summe aller Zahlen, aus denen sich die Stunden, Minuten und Sekunden eines bestimmten Augenblicks zusammensetzen, oder das Erscheinen eines Kuckucks alle halbe Stunde.

24 times (aus der ClockSerie) war vom 08.12.2020 bis 12.01.2021 zu sehen: https://24times.gysin-vanetti.com

Tipp: Sie können die Website auf Ihrem Mobiltelefon öffnen, eine der 24 Uhren auswählen und sie zu Ihrem Home-Bildschirm hinzufügen, um Ihre persönliche Uhr zu erhalten!

In der Tradition, die von der sogenannten Konkreten Kunst bis zur kinetischen und programmatischen Kunst reicht, entwickeln die Tessiner Künstler Andreas Gysin und Sidi Vanetti Projekte, die oft auf rekuperierte mechanische Systeme zurückgreifen. Die Arbeit Zürich HB Flap (2016) ist ein spektakuläres Beispiel dafür. Gysin & Vanetti haben die monumentale mechanische Beschilderungstafel des Zürcher Hauptbahnhofs, bestehend aus 452 Split-Flaps-Elementen –, die 2015 durch eine digitale Tafel ersetzt wurde, – neu programmiert, um eine kinetische Installation zu schaffen. Die Transformationen, die von den Künstlern als «gefundene Geometrien»bezeichnet werden, nehmen oft einen spielerischen und manchmal absurden Charakter an. So schufen sie beispielsweise eine Videomapping-Projektion für die Fassade einer Barockkirche in Locarno (S.Antonio, 2007), choreographierten eine Reihe von beweglichen Scheinwerfern (Fari, 2014-16) oder programmierten eine Sand-Zeichenmaschine, um geometrische Kompositionen zu erzeugen (Sabbia, 2017).

IOCOSE

Moving Tasks Forward, 10.11.2020

HEK Net Work Iocose
IOCOSE, Moving Tasks Forward, 2020

Die Arbeit Moving Tasks Forward, die die italienische Künstlergruppe IOCOSE für die HEK Net Works Reihe realisiert hat, gehört zu einer Serie von Werken, die sich auf die Idee konzentrieren, die Welt voranzubringen und die oft ironisch mit der doppelten Bedeutung des Konzepts des Vorankommens spielen. Moving Tasks Forward war vom 10.11. bis 8.12.2020 zum Herunterladen für die webbasierte Trello-Applikation hier verfügbar.

IOCOSE wurde 2006 von vier Künstlern (Matteo Cremonesi, Filippo Cuttica, Davide Prati, Paolo Ruffino) gegründet und untersucht, wie die Narrative um die Zukunft von Gesellschaft und Technologie Spuren in der Gegenwart hinterlassen. Unter Verwendung einer Vielzahl von Medien werfen sie einen besonderen Blick auf die Medienkultur und die digitalen Communities. Sie haben Fiktionen geschaffen, die bestehende Phänomene kritisch kommentieren, wie etwa videospielbedingte Pathologien (Game Arthritis, 2011), die kollektive Schaffung von Verschwörungstheorien (A Crowded Apocalypse, 2012) oder Online-Dienste zum Verkauf personalisierter Proteste (Instant Protest, 2017).

Statement der Künstler: «Moving Tasks Forwardist ein Skript, das die lange Liste von Aufgaben lösen kann, die unsere täglichen To-Do-Listen überschwemmen. Online-Aufgabenlisten sind ein gebräuchliches Werkzeug, um jede Art von Arbeitstätigkeit in einem bestimmten Zeitrahmen zu organisieren. Normalerweise wird eine Liste mit der Bezeichnung «Zu erledigen», die noch zu erledigende Aufgaben enthält, auf der linken Seite des Bildschirms platziert. Wenn der/die Benutzende eine Aufgabe erledigt hat, wird sie von dem/der Nutzer:in auf der rechten Seite des Bildschirms vorwärtsgeschoben, normalerweise unter einer beruhigend benannten Spalte wie «Done», «Erledigt», «Fatto». Das Skript Moving Tasks Forward automatisiert und rationalisiert diesen Prozess. Sobald das Skript im Browser gestartet ist, schiebt es die Aufgaben in regelmässigen Abständen automatisch vorwärts, unabhängig davon, ob sie tatsächlich erledigt wurden oder nicht. Das Ergebnis ist ein zweifacher positiver Effekt: die drastische Verringerung des durch unerledigte Aufgaben verursachten Stresses, gepaart mit einem unbezahlbaren Gefühl der Genugtuung darüber, dass wir unseren Teil geleistet haben, was dazu beiträgt, die ganze Welt, eine Aufgabe nach der anderen, voranzubringen. Mit Moving Tasks Forward setzt IOCOSE die Bewegung der Welt ungebremst fort, ein Objekt nach dem anderen.»

Michael Mandiberg

Virtual Background, 13.10.2020

HEK Net Work Mandiberg
Michael Mandiberg, "Sleep mode panel, 11:00 AM — 12:00 PM, June 28, 2020”, Öl auf Leinwand, 15.25 x 27.95 cm, 2020

Während des Lockdowns malte der amerikanische Künstler Michael Mandiberg den Hintergrund seiner Gesprächspartner:innen während Videoanrufen und übersetzte diese virtuelle Szenerie in etwas haptisches. Für die HEK Net Works Serie stellte Mandiberg einige von diesen Bildern als virtuellen Hintergrund zur Verfügung, die man sich per Download auf den eigenen Computer spielen konnte. Die Virtual Backgrounds von Mandiberg konnten vom 13.10. bis 10.11.2020 hier heruntergeladen und als virtueller Hintergrund für Online-Videoanrufe verwendet werden.

Michael Mandiberg ist ein interdisziplinärer Künstler, der in seiner Arbeit die sozio-politischen Dimensionen der Informationstechnologie wie auch ihre poetischen Ausdrucksformen reflektiert. Er entwickelte beispielsweise eine Software, die alle Preise auf einer beliebigen Webseite in ihren Äquivalenzwert in Ölfässern umrechnet und damit auf eine anhaltende ökologische Krise aufmerksam macht (Oil Standard, 2005). Mandiberg ist ausserdem Mitbegründer der Initiative Art+Feminism (ab 2013), die darauf abzielt, die Präsenz von Frauen in der Online-Enzyklopädie Wikipedia zu fördern. Mandiberg schrieb auch eine Software, die die gesamte Online-Enzyklopädie zwischen 2009 und 2016 in 7.473 Bände mit 700 Seiten umwandelte und damit die Inkongruenz einer solchen Operation unterstreicht (Print Wikipedia, 2009-16). Sein jüngstes Werk, Postmodern Times (2016-18), besteht aus Kurzfilmen, die auf der Online-Plattform Fiverr.com in Auftrag gegeben wurden um einen Film zu schaffen, der das Thema von Charlie Chaplins berühmtem Film Modern Times aufgreift und ein aktuelles Porträt der Arbeit im digitalen Zeitalter vorschlägt.

Statement des Künstlers:
«Als New York während COVID-19 pausierte, hörten meine menschlichen Kontakte und meine Kommunikation auf. Wie viele Informationsarbeitende fand ich mich in stundenlangen täglichen Videoanrufen wieder. Ein Wechsel von bekannten Gesichtern, die mir in unbekannten Räumen gegenüber sassen, unterbrach meinen Arbeitstag. Ich besuchte behelfsmässige Büroräume, die Küchen der Mitarbeitenden und die Kinderschlafzimmer meiner Studierenden und beobachtete die Art und Weise, wie Menschen ihre Umgebung für einen Anruf gestalten oder völlig vernachlässigen. Als Reaktion darauf habe ich eine Reihe von Gemälden begonnen, die diese Interaktionen festhalten und sammeln. Jedes Bild entspricht einem der Videoanrufe, die ich während der Quarantäne gemacht habe und zeigt das Zimmer der Person, die ich angerufen habe. In der Grösse von 6" x 11" spiegelt jedes Bild die 9:16-Proportionen des Zoom-Aufrufs wider. Wenn möglich, habe ich versucht, jedes Bild in der Zeitspanne des Videoanrufs fertigzustellen, aus der es stammt. Wenn die Anforderungen meines Aufrufs mich jedoch vom Malen abhielten, liess ich die Gemälde nachträglich fertig stellen. Ich male diese Räume ohne die Person, die vor der Kamera sitzt. Dabei dient diese Serie als Aufzeichnung von Interaktionen, die durch Abwesenheit gekennzeichnet sind. Eine Abwesenheit vermitteln auch minderwertige Objektive, Kompressionsalgorithmen und abgehackte Verbindungen, die off-weisse Farben in hell-rosa, gelbe und kühle Blautöne verwandeln. Diese Malpraxis hat mir geholfen, mit der kognitiven Erschöpfung durch all die Videoanrufe und der Angst vor der Selbstisolation fertig zu werden, während die Sirenen durch die Strassen um mich herum heulten. Ich weiss, dass Isolation ein Privileg ist, aber für mich ist sie ein notwendiges Privileg, da ich immungeschwächt bin. Das Malen dieser Leinwände war ein Versuch, die Erinnerung zu protokollieren, so sehr es auch eine Praxis der Selbstpflege und Bewahrung ist. Die Zeit hat sich in Ermangelung einer regelmässigen Routine verschoben, und ich habe den Überblick verloren, welcher Tag heute ist. Diese Gemälde helfen mir, den Überblick über digitale Erfahrungen zu behalten, die mir eher entgleiten und vergessen werden. Sie sind Erinnerungen und Mahnmale.»

Ann Hirsch

What A Cutie, 08.09.2020

HEK Net Work Hirsch
Ann Hirsch, What A Cutie, 2020

What A Cutie ist ein Video, dass das iPhone der in Los Angeles lebenden Künstlerin Ann Hirsch aus einer Sammlung von Fotos und Videos erstellt hat, die sie von ihrer vier Monate alten Tochter Elisheva aufgenommen hat. Diese Geste untersucht die technologische Automatisierung in einer Zeit der öffentlichen sozialen Identität. Genauer gesagt, wie grosse Medienkonzerne wie Apple oder Facebook unsere Informationen stehlen, aber den Schlag abmildern, indem sie uns kleine Geschenke wie gezielte Werbung, Wortvorschläge per E-Mail oder vorgefertigte Videos geben, die wir mit Freunden teilen können.

Statement der Künstlerin:
"Wie dem auch sei, wir fanden, dass das iPhone eine wunderbare Arbeit geleistet hat, die besten Inhalte aufzugreifen und auf eine Weise zusammenzustellen, die die Tochter der Künstlerin wirklich feiert und unsere Herzen höher schlagen lässt. Dieses Video ist wahrscheinlich genauso gut, wenn nicht sogar besser, als das, was Hirsch selbst machen würde
.

Wir sind so oft mit ‚Überwachung,’ ‚der Blockchain’ und ‚Online-Sichtbarkeit’ beschäftigt, dass wir manchmal keine Zeit haben, die Schönheit der kleinen Babys zu würdigen. Nun haben wir zugegebenermassen ein gewisses Schuldgefühl, dieses Video zu teilen (auch wenn die Künstlerin darauf bestand), weil wir an Jeff Bezos und die Zuckerbergs denken und uns fragen, ob sie diese Bilder dieses armen Babys stehlen und an Babyfirmen verkaufen werden? Oder an die Regierung? Sie für den Rest ihres Lebens verfolgen? Aber dann haben wir beschlossen, uns nicht mit all dem aufzuhalten, was nebensächlich ist, denn die Priorität ist, dass die Leute das Baby der Künstlerin sehen. Ausserdem werden wir dieses Video nur für einen Monat oder so zeigen, und dann wird es wieder vom Netz genommen, so dass wir Elisheva nicht zu viel aussetzen.

Es ist lustig, letztendlich hat uns dieses Kunstwerk zum Nachdenken gebracht! Ist ist wichtiger, dass die Leute das Baby der Künstlerin sehen oder dass sie ihre Kunst sehen? Hmmm, wir sind nicht sicher. Die Egos von Künstlern sind so zerbrechlich, dass sich ihr Selbstwertgefühl oft in ihren ‚Babys’ verfängt, seien es nun ihre Kunstwerke oder ihre eigentlichen Kinder. Es ist wirklich ein bisschen traurig, dass sie sich nicht von ihnen trennen können, aber als Kunstinstitution ist es unsere Aufgabe, das Selbstwertgefühl der Künstler zu stärken und sie wissen zu lassen: «Du bist wichtig!»

Wie auch immer, schauen Sie sich dieses gottverdammte Baby an und sagen Sie mal, dass Sie nicht vernarrt sind!!! Sie ist etwas Besonderes!!!!"

Ann Hirsch ist eine in Los Angeles lebende Künstlerin, die sich damit beschäftigt, wie Identität in der Populärkultur und im Web dargestellt wird. Sie beschäftigt sich oft mit kultureller Scham und deren Anwendung auf das Geschlecht.

Molly Soda

Cutting My Bangs At Home!, 11.08.2020

HEK Net Work Soda
Molly Soda, Cutting My Bangs At Home!, 2020, Foto: Felix Walworth

Molly Soda (alas Amalia Soto), eine Puerto-ricanische Künstlerin, die derzeit in New York lebt und arbeitet, ist Dank ihrer Auftritte im Internet über Social-Media-Plattformen zu einer Internet-Berühmtheit geworden. Für die HEK Net Works Reihe schuf sie die Arbeit Cutting My Bangs At Home!, eine ironische Referenz auf populäre Internet-Phänomene.

Als Künstlerin hinterfragt sie die Konstruktionen von persönlicher Identität und deren Rezeption und dekonstruiert spielerisch die Räpresentation von Frauen in der Populärkultur. Zu ihren Werken gehören Tween Dreams, eine humorvolle Serie für Teenager, in der sie jede Figur spielte, Me and My Bear,in der sie ihre Verlobung mit einem zwei Meter grossen Tedybären dokumentiert, und Should I Send This?, eine Leseaufführung aller Botschaften aus ihrem Tumblr-Konto. 2017 gab sie zusammen mit Arvida Byström das Buch Pics or It Didn't Happen: Images Bannend From Instagramheraus. Sie wurde als Anthropologin für kulturelle soziale Medien bezeichnet und ihre Arbeit wurde in Museen und Galerien auf der ganzen Welt präsentiert. Cutting My Bangs At Home! war vom 11.08-08.09.2020 zu sehen: https://vimeo.com/446837667

Statement der Künstlerin: «In diesem Video habe ich versucht, verschiedenen YouTube-Haarschneide-Tutorials zu folgen, speziell für eine Art von Haarschnitt, der als «curtain bangs»bezeichnet wird. Viele dieser Videos wurden in den letzten Monaten des Lockdowns hochgeladen, da die meisten Menschen keinen Zugang zu einem Friseur hatten und viele privat mehr Zeit zur Verfügung hatten. Das Video fungiert sowohl als persönliches Archiv als auch als Zeitkapsel dieses sehr spezifischen Moments in der Zeit, in der man Zuhause alleine einen Haarschnitt schneidet. Die Webcam fungiert für mich als Spiegel um mir die Haare zu schneiden.»

Joana Moll

Ultimate solvers, 07.07.2020

HEK Net Work Moll
Joana Moll, Ultimate solvers, 2020

Ultimate solvers, Joana Molls Beitrag zur Reihe HEK Net Works, entlarvt die techno-utopische Philosophie internationaler Designfirmen durch ihre zynischen Slogans. Ultimate solvers war vom 7.7. bis 14.7.2020 zu sehen: www.janavirgin.com/HEK/

Joana Moll ist eine Künstlerin, die in Barcelona und Berlin lebt und arbeitet. In ihren Werken analysiert sie die Auswirkungen des Techno-Kapitalismus auf die soziale Dynamik und die Entwicklung digitaler Technologien. Themen wie Überwachung, die lukrative Ausbeutung persönlicher Daten und die ökologischen Auswirkungen digitaler Technologien sind in ihrer Arbeit wiederkehrend. Sie hat netzbasierte Installationen geschaffen, die in Echtzeit die CO2-Produktion anzeigen, die durch die globale Suche der Google-Nutzer entsteht. Sie hat auch aktuelle Praktiken von Online-Dating-Seiten und deren zweifelhafte Nutzung privater Daten aufgedeckt.

Statement der Künstlerin:
«Die COVID-19-Krise hat ein massives soziales, ökologisches, politisches und wirtschaftliches Systemversagen offenbart. Auch wenn die Ursachen und Folgen dieser Krise sehr komplex und tiefgreifend sind, wurde uns wiederholt gesagt, dass sie mit einer weiteren App gelöst werden kann. Dieser technische Problemlösungsansatz wird allgemein als Techno-Solutionismus bezeichnet. Der Techno-Solutionismus neigt dazu, die verschiedenen Realitäten, die die jeweiligen Probleme auslösen, die er zu lösen versucht, zu vereinfachen und zu verschleiern; er ist einfach nicht in der Lage, Probleme zu bewältigen. Auch wenn sich gezeigt hat, dass Techno-Solutionismus nicht funktioniert, wenn es darum geht, hochkomplexe Ereignisse wie die aktuelle globale Pandemie zu beheben, wird er wieder einmal enthusiastisch als die einzig mögliche Antwort auf eine kritische Situation angenommen. Aber wer definiert und implementiert diese technologischen Fixes? Ultimate solverssammeln eine Reihe von Slogans, Markenidentitäten und unterstützenden grafischen Materialien, die von den wichtigsten Unternehmen verwendet werden, die zur Ankündigung ihrer Produkte technologische Lösungen vorschreiben. Interessanterweise neigen diese Unternehmen dazu, eine recht präzise Sprache zu verwenden, um auf sehr unpräzise Weise zu definieren, was sie tatsächlich tun. Nichtsdestotrotz verstehen diese Unternehmen genau, wie sie von den Realitäten profitieren können, die ihre Technologien schaffen und aus denen sie ihre Produkte extrahieren werden. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, was die langfristigen Auswirkungen der Lösung hochkomplexer systemischer Probleme mit reduktionistischen Technologielösungen sein werden. Die Zukunft sieht nicht rosig aus.»

exonemo

Realm, 02.06.2020

HEK Net Work Exonemo
exonemo, Realm, 2020

Die neue Arbeit Realm des japanischen Künstlerduos exonemo lädt zur Erkundung einer Website ein, die je nachdem, ob die Nutzer:innen die Desktop- oder die mobile Version des Browsers nutzen, unterschiedlich dargestellt wird und unterschiedliche Interaktionsmodi besitzt – Berührung oder Sehen ermöglicht. Realm war vom 26.5. bis 2.6.2020 hier zu sehen: exonemo.com/realm/

exonemo wurde 1996 gegründet und besteht aus Sembo Kensuke und Akaiwa Yae. Sie erforschen digitale Technologien auf spielerische und unterhaltsame Weise und haben seit den Anfangsjahren des World Wide Web Arbeiten online geschaffen. Insbesondere untersuchen sie in ihren Werken die Widersprüche zwischen analogen und digitalen Werkzeugen und zwischen physischer und virtueller Realität. Sie organisieren auch kollektive Veranstaltungen, wie z.B. den Internet Yami-Ichi, einen Flohmarkt für netzbasierte Dinge.

Statement der Künstler:
«Wir wissen, dass wir uns zwischen hier und dort, dem Natürlichen und dem Menschgemachten, oder der Zukunft und der Vergangenheit befinden. Und werden dort immer einen Raum sehen. Jemand mag behaupten, dass man ihn berühren könne, aber niemand hat ihn je berührt, und niemand weiss von ihm.»

Faith Holland

Touchscreen, 19.05.2020

HEK Net Work Holland
Faith Holland, Touchscreen, 2020

Für die HEK Net Works Serie hatte die in New York lebende amerikanische Künstlerin Faith Holland ein neues GIF kreiert, das sich mit dem Thema der Distanz durch Isolation und der Sehnsucht bzw. Frustration des Tastsinns, der durch virtuelle Online-Begegnungen ersetzt wird, auseinandersetzt. Das GIF war vom 19.5. bis 26.5.2020 zu sehen: http://faithholland.com/touch/touch.html

Hollands Arbeit fokussiert auf die Dekonstruktion von Bildern sexueller Körper in der Populärkultur. Insbesondere praktiziert Holland eine feministische Wiederaneignung von pornografischen Bildern durch eine Fetischisierung von Technologie als performativen und subversiven Akt. Ihre Arbeit umfasst Performances, Videos, Installationen und thematische Websites. GIFs sind ein wichtiger Teil ihrer Arbeit, wofür die Serie Visual Orgasmsbeispielhaft ist. Diese sind eine farbenfrohe und freudige metaphorische Visualisierung von Orgasmen in vielfältigen Formen, wie z.B. einer Fülle von Wasserfällen und Feuerwerken.

Statement der Künstlerin:
«
In Touchscreenstrecken sich mehrere Hände der Kamera entgegen, um sie zu berühren. Es scheint, dass sie sich am Bildschirm selbst reiben, aber die Berührung wird nur simuliert. Mit diesen Liebkosungen werden die Betrachter:innen und der Bildschirm zueinander in Beziehung gesetzt. Wir werden aufgefordert, uns mit diesem flachen, gefühllosen Stück Glas zu identifizieren. In dieser neuen Umgebung, in der Berührung gefährlich geworden ist, akzeptieren wir diese Simulation bereitwilliger, genau wie die Simulationen von Partys, Meetings und Zusammenkünften.»

Lauren Huret

Kimey’s feed, 12.05.2020

HEK Net Work Huret
Lauren Huret, Kimye’s feed, 2020

Für die HEK Net Works Reihe produzierte die Genfer Künstlerin Lauren Huret eine Woche lang Geschichten auf Instagram und verwendete dabei Inhalte von Prominenten – insbesondere der Posts der Familie Kardashian-West-Jenner –, die eine beeindruckende Anzahl von Followern haben und daher das tägliche Leben von Millionen von Menschen begleiten und definieren.

Huret untersucht in ihren Werken die von den Medien, insbesondere den sozialen Netzwerken produzierten Glaubenssysteme, die unsere Gewohnheiten und Verhaltensweisen beeinflussen. Die Künstlerin nutzt auf intelligente Weise verfügbare technologische Werkzeuge. Bilder und Videos überlagert sie mit grafischen Elementen wie Smileys, Icons und Texten.

Statement der Künstlerin:
«
Seit Jahren fasziniert mich die vollständige Schaffung einer öffentlichen, theatralisierten Selbstinszenierung der Privatsphäre von Prominenten durch den Einsatz neuer Technologien und sozialer Netzwerke. Diese totale ikonische Inszenierung, vollständig mediatisiert, wird für mich durch die Figur des Kardashian-West-Jenner vollkommen verkörpert. Sie produzieren eine neue Ökonomie und neue Medienrituale, erzeugen ein gemeinsames Imaginäres, das dank sozialer Netzwerke nah und fern erscheint (und vermitteln mitunter problematische Werte). Als ich diese Woche den HEK Instagram-Account durchstöbert habe, beschloss ich, "Stories" zu posten, die vollständig aus dem Bildmaterial der Kardashian-West-Jenner Instagram stammen, und sie neu zu erfinden, zu arrangieren und neu zusammenzustellen. Wie ein Maler, der eine Landschaft malt, die er vor sich hat, werde ich diese Bilder nur mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen komponieren, die auf meinem Telefon installiert sind, und mit Werkzeugen, die von sozialen Netzwerken zum Erstellen von Bildern eingerichtet wurden. Als eine Art Forschungszeitschrift könnten die in dieser Woche entstandenen "Geschichten" eine Gelegenheit sein, die Verehrung, den Einfluss und die Bilderwelt zu überdenken, die von Stars als neue religiöse und politische Ikonen entwickelt wurden.»

:: vtl :: aka Dimitry Morozov

Under pressure, 05.05.2020

HEK Net Work Morozov
:: vtol :: aka Dimitry Morozov, Under pressure, 2020

Für die HEK Net Works Reihe schuf der russische Künstler ::vtol::: aka Dmitry Morozov eine kleine Maschine, die automatisch die Blasen einer Luftpolsterfolie aufbricht, so dass das Publikum den Prozess geniessen und sich während des Lockdowns bei der Beobachtung eines doch vielen bekannten Entertainments zu entspannen. Die Installation war per Live-Stream vom 5.5. bis 12.5.2020 zu sehen: vtol.cc/filter/works/under-pressure

Dmitry Morozov ist ein transdisziplinärer Künstler und Forscher. Er konzentriert sich auf zeitgenössische Medienkunst, darunter Sound, Robotik und Installation, und legt besonderen Wert auf die Verbindung zwischen neu entstehenden Systemen und neuen Arten technologischer Synthese. Er baut unter anderem Roboterinstallationen, die Themen wie Ökologie, Informationsgesellschaft und zwischenmenschliche Beziehungen thematisieren.

Statement des Künstlers:
«
In diesen turbulenten Zeiten fehlt uns wirklich allen, an den üblichen Ritualen und Handlungen teilzuhaben, die eine gewisse Harmonie ermöglichen. Eine der Lieblingsbeschäftigungen vieler Menschen ist das Zerplatzen der Blasen einer Luftpolsterfolie. 'Unter Druck' ist ein Mechanismus, der dies automatisch tut: eine nutzlose Maschine, deren einzige Funktion darin besteht, Blasen in der Folie zu zerdrücken. Die Maschine ist in meiner Werkstatt installiert, und durch die Live-Übertragung auf YouTube kann sie sich jeder ansehen und so Stress abbauen. Die Idee zu dieser Maschine entstand vor vielen Jahren und anfangs hatte ich sie als eine sehr gross angelegte Maschine konzipiert. Die Umstände führten zu einem anderen Ergebnis: Einerseits erwies es sich als wichtig und dringend, diese Arbeit zu diesem Zeitpunkt durchzuführen; andererseits musste die Maschine in kleinerer Dimension und mit zufälligen Materialien hergestellt werden, die ich in meiner Werkstatt vorfand.»

Jonas Lund

I just stare at my computer waiting for something to happen, 28.04.2020

HEK Net Work Lund
Jonas Lund, I just stare at my computer waiting for something to happen, screenshot, 2020

Für die Website des HEK erstellte der schwedische Künstler Jonas Lund für die Zeitspanne von sieben Tagen ein Skript, das die Anwesenheit anderer Benutzer:innen in Echtzeit anzeigt. Jede Mausbewegung hinterlässt Spuren auf dem Bildschirm, in Form von Grafiken, die von einer Online-Community generiert wurden und an die Ästhetik der Neunzigerjahre erinnern. Die digitale Arbeit I just stare at my computer waiting for something to happen konnten die Besucher:innen der Website des HEK ausschliesslich vom 28.04. bis zum 05.05.2020 auf www.hek.ch ausprobieren. Durch sein Werk wurde die Präsenz von anderen Benutzer:innen in der Zeit des Lockdowns auf wunderbare Weise sichtbar.

Lund experimentiert mit verschiedenen Formaten der Kunstproduktion und -distribution und stellt dabei auf spielerische Weise die bestehenden Modelle der Kommerzialisierung von Kunst in Frage. Insbesondere untersuchte er die Entstehung neuer Gepflogenheiten in der Kunstwelt mit dem Aufkommen neuer digitaler Werkzeuge. So konzipierte er zum Beispiel die Ausstellung Critical Mass (2017), die sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt und verändert, abhängig von einer Online-Umfrage, die es Benutzer:innen ermöglicht, ihre Präferenzen bezüglich des Ausstellungsdesigns auszuwählen. Darüber hinaus hat er 100’000 Aktien in Form von Tokens von Kryptowährungen geschaffen, die es den Aktionären ermöglichen, über seine künstlerische Karriere und seine zukünftige Praxis mitzubestimmen.

Statement des Künstlers:
«
Seit das HEK mich vor zwei Wochen eingeladen hat, etwas auf ihrer Website zu machen, habe ich darüber nachgedacht und fand es überraschend schwierig, die richtige Herangehensweise oder Ansatz zu finden. Im Moment dreht sich alles ganz natürlich um Covid-19, so dass es sich nicht allzu relevant anfühlt, über etwas anderes zu arbeiten, während es sich bei der Arbeit speziell zu Covid-19 als zu früh oder zu viel anfühlt. An den meisten Tagen des Lockdowns starre ich nur auf meinen Computer und warte darauf, dass etwas passiert. Für Menschen, die es gewohnt sind, zu Hause zu arbeiten, sollte das kein grosser Unterschied sein, aber es fühlt sich völlig anders an. Ich frage mich, ob mehr Menschen so empfinden, wenn wir alle durch diesen Moment verbunden sind. Was wäre, wenn ich sehen könnte, wie Sie sich bewegen, wenn ich mich bewege? Synchronisierte, zufällige Bewegungen im Raum. In I just stare at my computer waiting for something to happen ist jede Spur, die Benutzer*innen hinterlassen mit allen Besucherinnen und Besuchern der Website synchronisiert – alle sehen die Cursorspur von allen. Der Cursor wird nach dem Zufallsprinzip aus dem vollständigen Archiv der Cursors der RealWorld Graphics Website ausgewählt und ist für jede Person einzigartig. So ist das Aufdecken der Einsamkeit und der Zusammengehörigkeit zur gleichen Zeit durch ein zufälliges Treffen auf der HEK-Website möglich.»

Addie Wagenknecht

The perfect cat eye with your zoom date, 21.04.2020

HEK Net Work Wagenknecht
Addie Wagenknecht, The perfect cat eye with or without your Zoom date, Screenshot, 2020

In ihrem neuen Video The perfect cat eye with or without your Zoom date für die HEK Net Works Reihe übernimmt die amerikanische Künstlerin Addie Wagenknecht (*1981) das beliebte Make-up-Tutorial-Format, das auf Medienkanälen wie YouTube üblich ist, um den Zuschauer in ihre Beauty-Routine einzuweisen. Während sie sich mit Wimperntusche und Lippenstift schminkte, nutzte sie die Gelegenheit, um über Sicherheitslücken in Videokommunikationsplattformen wie Zoom zu sprechen – vor allem, wenn sie für intime und erotische Gespräche genutzt werden – und alternative Lösungen vorzuschlagen.

Gerade in der Zeit des Lockdowns, in der die digitale Interaktion den Live-Kontakt ersetzt hat, werden durch neuer Kommunikationsformen wieder einmal Fragen zum Schutz der Privatsphäre aufgeworfen. Anhand des Formats der Beauty-Video-Tutorials spricht Wagenknecht über die digitale Privatsphäre und den Datenschutz, der bei Plattformen wie Zoom oder Whatsapp eine Rolle spielt.

Addie Wagenknecht beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Praxis mit Fragen der Netzkultur und Cybersicherheit. Liminal Laws, ihre erste Einzelausstellung in der Schweiz, die 2016 im HEK präsentiert wurde, untersuchte die Auswirkungen der Medientechnologie auf die Gesellschaft und thematisierte dabei auch die ungleiche Verteilung des Zugangs zu Informationen in der Bevölkerung. Sie lebt und arbeitet in Innsbruck, Österreich.

Keiken

Ozone, 14.04.2020

HEK Net Work Keiken
Keiken, Ozone, Screenshot, 2020

Für die HEK Net Works Reihe hat das Künstlerkollektiv Keiken Ozone veröffentlicht, einen neuen Filter – sowie eine Reihe von kurzen performativen Videos, Posts, Geschichten und einen Live-Stream auf dem Instagram-Account des HEK. Ozone führt eine neue fiktionale und augenzwinkernde, digital-spirituelle Praxis namens «Ozonschichtung» ein, die während des Lockdowns entstanden ist. Die Benutzer:innen können sanfte, langsame Bewegungen machen, während sich ihre Umgebung verändert. Der Filter bildet dann die Umgebung auf den Gesichtern der Benutzer:innen ab und stellt so eine persönliche Verbindung her. In dieser neuen Arbeit spielt Keiken mit Trends, Ritualen und der Sprache, die auf Instagram und den sozialen Medien verwendet wird.

Ozone-Schichtungsverfahren:

Step 1:
Go on Instagram and find a filter (for best effect please use ‘Ozone by Keiken’, this is available on both @hek_basel and @_keiken_ .

Step 2:
Once you have found the filter, take three deep breaths and then press record. Film yourself standing still or with slow movements with the filter on (this can either be a short 15 second session or a longer one, I like to go no longer than a 5 minute livestream).

Step 3:
Post the Ozone Layering session either through stories or posts, don’t forget to post a caption to spread the Ozone Layering spiritual message and gain more followers.

Step 4:
Once lockdown is over, we will practice faster movements, the speed of these movements will be organic and dependant on whether capitalism resumes its normal speed or whether other forces will change this rhythm.

Joan Heemskerk (JODI)

GOL and NBKM, 07.04.2020

HEK Net Works Jodi
Jodi, NBKM (no body knows me), screenshot, 2020

Joan Heemskerk, ein Teil des Netzpionier-Kollektivs JODI realisierte zwei Werke für die HEK Net Works Reihe: GOL und NBKM. Die URLs http://x20xx.com/nbkm und http://x20xx.com/gol sind grafisch visuelle Settings im unverwechselbaren Stil des Künstlerduos JODI, die beide auf die Bedrohung durch den Corona-Virus anspielen.

GOL (Game of Life) und NBKM (no body knows me) sind Teil des übergreifenden Werkkomplexes x20xx (http://x20xx.com/), einer Reihe von visuellen Szenarien zu persönlichen, wissenschaftlichen oder aktuellen Ereignissen, die in losen Abständen erweitert und fortgeführt werden.

JODI (JoanHeemskerk und DirkPaesmans) gehörten seit Mitte der 1990er Jahre zu den Pionier:innen der Netzkunst. Von Anfang an haben sie in ihren Arbeiten die Konventionen, Strukturen und Protokolle des Internets untersucht und subversiv unterlaufen. Sie arbeiten mit Computerprogrammen, Computerspielen und Video und greifen aktiv in die Sprache und den Code dieser Systeme ein. Mit ihren radikalen Eingriffen lenken sie die Aufmerksamkeit auf die Mechanismen dieser Systeme und unsere Nutzung und Beziehungen zu ihnen.

Maria Guta

Day of my Life, 31.03.2020

HEK Net Work Guta
Maria Guta, Days of my Life, 2020

Die Künstlerin Maria Guta war während des ersten Lockdowns der Covid 19 Pandemie in Bukarest in Rumänien (ihrem Geburtsland) gestrandet und konnte monatelang nicht zurück in die Schweiz reisen, wo sie in Neuchatel lebt. Für die HEK Net Works Reihe realisierte sie ein Video, das sie in der Wohnung in Bukarest zeigt, in der sie sich als gelangweilte Hausfrau inszeniert. Mit der ironischen Brechung ihrer Situation thematisierte Guta einerseits ihre Erfahrungen im sogenannten Ostblock aufgewachsen zu sein, wie auch die aktuelle Situation der sozialen Distanzierung und Vereinsamung während der Pandemie.

Statement der Künstlerin: «In an age where the idea of a totalitarian, restrictive regime is mostly a somber reminder of a pre-1989 era (or material for dystopian scenarios) it’s interesting to observe how the world – starting with some of the most democratic countries – is suspending «voluntarily a couple of the most basic human rights and freedoms by imposing the first nationwide lockdowns since World War II. And, although the causes are of a very different nature today, I can’t stop myself from drawing a line between the current restrictions and those experienced by prior generations (me included, as a kid growing up in Romania in the late 80s) under totalitarian regimes.

During Ceausescu’s dictatorship but also a while after (through the harsh transitional period that followed the “89 revolution), the greatest form of escapism were Hollywood movies (in communism only available through the VHS black market). Because of my then early age and a certain naivety, I initially became fascinated with American „cheap” cinema, soap operas and later on Latin-American telenovelas, where everyday life was blending in a fantasy world and reality was basically represented as illusion. This fictional form of escapism was very “first-degree” rewarding for eyes and senses, and most comforting in times of discomfort. That’s also when I started impersonating different characters, which is a big part of my practice today.

All the best from Bucharest!»

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