Andres Bosshard, Telefonia–1291–1991–2021, 1991/2020, Screenshot

Andres Bosshard, Telefonia–1291–1991–2021

Year: 1991/2020
Type: Webplattform
Media Format: Website
Acquisition: The archive material from Telefonia (1991) was acquired in 2018. The documentation Telefonia–1291–1991–2021 was realised in collaboration with the artist in 2020 as a Website with text, audio and video documents. inv.no. S0073.
Artwork Link: http://telefonia.hek.ch/
Artist Website: http://www.soundcity.ws/

Info
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Andres Bosshard, Telefonia–1291–1991–2021, 1991/2020, Screenshot
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Telefonia–1291–1991–2021 (2020) ist eine Webplattform, die einen umfassenden Zugang zu einer dreitägigen Performance-Installation ermöglicht, die am 30. Mai 1991, 00.00 Uhr New Yorker Zeit und 06.00 Uhr Schweizer Zeit an drei Orten simultan begann. Über diese Plattform wird das Material der ursprünglichen telematischen Performance zugänglich gemacht.

Der Schweizer Klangkünstler Andres Bosshard hat gemeinsam mit Musikerkolleginnen und Kollegen die Vorstellung eines sich dreidimensional überlagernden Klangraums entwickelt. Die Interaktion der Klanglandschaften von drei völlig unterschiedlichen Orten ermöglicht eine neue Dimension der Wahrnehmung der grundlegenden Räumlichkeit und Kontextbezogenheit von Klang.

Jeweils acht Musikerinnen und Musiker und Performer in der Hall of Science in New York und der Kesselschmiede in Winterthur traten über Telefonstandleitungen, Satellitenverbindungen und Radiokanäle in einen akustischen und visuellen Austausch. Die Künstler*innen konnten dank der neuesten technischen Entwicklungen quasi vom anderen Ende der Welt aus aufeinander reagieren und miteinander mit traditionellen Instrumenten, elektronischen Klangeffekten und ersten digitalen Interfaces performen. In Winterthur waren, eingebettet in eine ausgeklügelte, interaktive Lichtarchitektur, atmosphärische Eindrücke der Umgebung der Hall of Science zu sehen und umgekehrt. Zu Sonnenaufgang des letzten Tages wurden zwei der Winterthurer Musiker auf dem Gipfel des Säntis nach New York und Winterthur geschaltet. Die Lautsprecher gaben dabei die Klänge der Musiker und Performer ebenso wieder, wie die jeweils individuelle Akustik der drei unterschiedlichen Umgebungen von brodelnder Metropole, umgenutztem Industrieareal und Schweizer Bergwelt. Gemeinsam eröffneten sie buchstäblich eine neue Dimension einer Klanglandschaft, welche einherging mit dem neuen Zeitalter des Worldwideweb. Die Webplattform mit ihrem umfassenden Projektarchiv macht die Performance im Nachhinein lesbar als ein Marker für dieses neue Zeitalter und die darin enthaltenen Möglichkeiten einer künstlerischen Auseinandersetzung.

Das Zentrum der Plattform ist ein sechsstündiger Performancezyklus aus originalem Archivmaterial. Auf einem Kanal werden dabei jeweils sechs Videoclips aus allen drei den Klangraum von Telefonia absteckenden Koordinaten gezeigt, dazwischen werden in jedem Zyklus zufällig 17 weitere Clips eingespielt. Das Ganze wird zudem überlagert von zwei weiteren Kanälen, die je 77, bzw. 58 Clips, ebenfalls in zufälliger Reihenfolge, einspielen. Man erfährt so nie die gleiche Klangarchitektur, deren emotionale Qualität je nach Zusammenklang der Clips wandelbar bleibt.

Entstanden im Rahmen der 700 Jahr Feier des Bestehens der Schweizerischen Eidgenossenschaft 1291, inmitten der ersten, zarten Schritte der Globalisierung durch das worldwideweb 1991 mit Klapphandys, SMS und Satellitenverbindungen, ermöglicht die Plattform 30 Jahre danach, 2021 einen umfassenderen Blick auf die damaligen Pionierleistungen einer den Orbit umspannenden, simultanen und interaktiven Klanglandschaft. Telefonia verkörpert die Kontinente umspannende Ausdehnung von Klang ebenso wie dessen kontextgebundene Räumlichkeit, als essentielle Marker experimenteller, zeitgenössischer Musik.

(Text: Bettina Back)

Artist Bio

Selbständiger Klangkünstler, Musiker und Dozent. Seit 2005 künstlerischer Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste im Departement Kunst und Medien. Dort leitet er seit 2016 die Study Group Sound und ist Fachbereichsleiter. Er ist beteiligt am KTI Forschungsprojekt Stadtklang - Klangstadt in Kollaboration mit dem Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP) der Hochschule Luzern. Für die Baudirektion des Kanton Zürich, Abteilung Lärmschutz und Vorsorge ist Andres Bosshard am Forschungsprojekt "Reduktion akustische Hintergrundbelastung im Limmattal" beteiligt. Seit 2010 Forschungsaufträge mit Trond Maag vom Bundesamt für Umwelt Bern und vom Kantonalen Tiefbaumt Zürich. 2012 Dozent ETH D-ARCH. 2003 Gastprofessur an der Kunsthochschule für Medien in Köln. 1976-80 Studium der Musikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Zürich. 2017 Schweizer Musikpreis für Klangarchitektur.

Publikationen / Diskografie / Ausstellungen / Werke

Für die europäische Kultuhauptstadt Aarhus erarbeitet und produzierte er 2017 sein Projekt sonicArk, the sound of Aarhus. Im Zusammenhang mit seinen Klangarchitekturen im öffentlichen Raum arbeitet er seit 1995 zusammen mit Freiraumplanern und Architekten. Klangbrücke Donnerbogen mit Flüsterkuppel für die IBA Hamburg 2013. Klanghimmel für das 10jährige Jubiläum des Museumsquartiers in Wien, Juni bis Oktober 2011. Klangturm Expo 02 Biel. Seit 1980 Auftritte mit Nachtluft und Tourneen als Experimentalmusiker in Europa, Amerika, Japan, Indien, an internationalen Musik- und Klangkunstfestivals.