!Mediengruppe Bitnik, Alexiety, 2018

!Mediengruppe Bitnik & Low Jack, Alexiety

Year: 2018
Type: Datenträger
Media Format: Sound, printed 12" LP sleeve, 3mm spine, UV direct print on acrylic glass with download code for three songs: No Secrets No Surprises 2’55’’, Alexa Stop 1’58’’, Alexiety 1’48’’
Dimension:
Duration: 8‘28‘‘ loop
Edition:
Credits: Graphics for all media: Knoth & Renner Songs
Acquisition: Donation by the artists 2019, inv.no. S0070
Artwork Link:
Artist Website: https://wwwwwwwwwwwwwwwwwwwwww.bitnik.org
Artist Website: www.lowjack.eu

Info
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!Mediengruppe Bitnik, Alexiety, 2018
!Mediengruppe Bitnik, Alexiety, 2018
!Mediengruppe Bitnik, Alexiety, 2018, Photo: Lukas Stäuble
!Mediengruppe Bitnik, Alexiety, installation view, HeK Basel, Photo: Tim Marti, 2019
!Mediengruppe Bitnik, Alexiety, installation view, HeK Basel, Photo: Franz Warmhof, 2019
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Für die interaktive Video- und Klanginstallation Alexiety, 2018 sind in Zusammenarbeit mit dem in Paris lebenden elektronischen Musiker Low Jack (Philippe Hallais) drei Songs entstanden. Sie sind die emotionale Matrix eines möglichen Verlaufs unserer emotionalen Beziehung zu sprachgestützten, persönlichen Assistenten wie Alexa, Siri und Google home. Unabhängig von der Installation wurden die Songs über einen Datenträger in limitierter Auflage verbreitet, der auch Eingang in die Sammlung des HeK fand. 
Der erste Song, No Secrets No Surprises handelt von unbeschwerter Euphorie über die jederzeit umgehend erfolgende Bedürfnisbefriedigung und permanente Aufmerksamkeit. Mit Alexa Stop beginnt sich der User bereits wieder von seiner Freundin und Assistentin zu entkoppeln, indem er ihr immer wieder Grenzen setzen muss, da schlicht alles ungefiltert mitgehört und analysiert wird. In der dritten Phase des letzten Songs, Alexiety, ist die anfängliche Begeisterung vollends in Unbehagen oder gar Angst umgeschlagen vor der omnipräsenten Analyse der unsichtbaren Begleiterinnen, die mit der Zeit nicht nur unsere materiellen Wünsche sofort befriedigen, sondern auch den Schlüssel zu unseren innersten Sehnsüchten in ihrer Cloud gespeichert haben. 
Die Songs werden über Lautsprecher abgespielt, und Alexa und Co. versuchen, darauf in gewohnter Manier zu reagieren. Während sich die Emotionen für jeden der menschlichen Zuhörenden instinktiv nachvollziehbar steigern, gelingt es Alexa und Co. immer weniger ihre Algorithmen erfolgreich zum Einsatz zu bringen, so dass sie schliesslich rat- und erfolglos zurückbleiben. Mit Emotionen können sie noch nicht umgehen. Derzeit arbeiten Forscher auf der ganzen Welt daran, Computersystemen emotionale Intelligenz beizubringen. Während die menschlichen Zuhörenden den emotionalen Umschwung der Beziehung zu Alexa und Co. instinktiv wahrnehmen und verstehen können, bleibt Alexa am Ende nur die Ratlosigkeit angesichts der emotionalen Überlastung. Durch die deutlich zutage tretende Diskrepanz zwischen allwissendem, unentbehrlichem Helfer und der umgehenden Unfähigkeit einer sinnvollen Reaktion auf alles, was auch nur knapp neben den algorithmisch erfassbaren Normen liegt, wird die Beschränktheit algorithmischer Systeme offensichtlich. In Alexiety erlangen wir die Kontrolle wieder zurück mittels chaotischer Desinformation, wie sieht es bei uns zuhause aus? 
(Text: Bettina Back)

Artist Bio

!Mediengruppe Bitnik sind die Künstler Carmen Weisskopf und Domagoj Smoljo. Ihre Komplizen sind der Londoner Filmemacher und Forscher Adnan Hadzi und der Reporter Daniel Ryser. Sie sind zeitgenössische Künstler, die im und mit dem Internet arbeiten. Ihre Praxis verortet sich im Digitalen und dessen Einfluss auf die Veränderung physikalischer Räume. Absichtlich arbeiten sie mit dem Verlust der Kontrolle, um etablierte Strukturen und Mechanismen zu hinterfragen.
Carmen Weisskopf, 1976, Schweiz und Domagoj Smoljo, 1979, Kroatien leben und arbeiten in Zürich und Berlin.

Philippe Hallais, alias Low Jack, ist ein französischer Künstler für elektronische Musik, der 1985 in Tegucigalpa (Honduras) geboren wurde und in Paris lebt. Seine Musik spielt mit der Wiederaneignung klanglicher Klischees, medialer Folklore und der Vielzahl musikalischer Sprachen, die mit Tanzsubkulturen assoziiert werden. Er hat drei Alben als Low Jack veröffentlicht: Garifuna Variations (L.I.E.S, 2014), Sewing Machine (In Paradisum, 2015), Lighthouse Stories (Modern Love, 2016) und eines unter seinem echten Namen: An American Hero (Modern Love, 2017). Bei seinen Live-Auftritten arbeitet er unter anderem mit den Musikern Ghedalia Tazartès und Dominick Fernow/Vatican Shadow zusammen. Seine Werke wurden vom Museum am Quai Branly, vom Schweizer Kulturzentrum und von der Ricard-Stiftung in Paris in Auftrag gegeben.