Christoph Wachter and Mathias Jud, Zone*Interdite, 2009, Ausstellungsansicht Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen, 2009

Christoph Wachter / Mathias Jud, Zone*Interdite

Year: 2009
Type: 3D-Animation
Media Format: 3-channel video
Dimension: variable
Edition: 3
Acquisition: Acquired 2019, inv.no. 80
Artwork Link: www.zone-interdite.net
Artist Website: www.wachter-jud.net

Info
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Christoph Wachter and Mathias Jud, Zone*Interdite, 2009, Ausstellungsansicht Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen, 2009
Christoph Wachter and Mathias Jud, Zone*Interdite, 2009
Christoph Wachter and Mathias Jud, Zone*Interdite, 2009
Christoph Wachter and Mathias Jud, Zone*Interdite, 2009
Christoph Wachter and Mathias Jud, Zone*Interdite, 2006 —
ongoing, Photo: Franz Wamhof
Ausstellungsansicht How much of this is fiction, HeK Basel, 2017
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Der animierte, interaktive 3D Walkthrough durch das Gefangenenlager von Guantanamo ist Teil einer gross angelegten Kartographierung militärischer Sperrgebiete. Bereits seit 1999 haben die beiden Schweizer Künstler Christoph Wachter und Mathias Jud erste Recherchen durchgeführt, bevor 2003 eine Datenbank über ein Webinterface entstand. Auf der Projekt-Webseite von Wachter & Jud sieht man eine graue Weltkarte übersäht mit grünen Punkten, alles Standorte von verbotenen Zonen: Niemandsland, das Betreten für Unbefugte verboten.
Der User des Walkthroughs kann auf einem Bildschirm oder einer grossformatigen Projektion durch das Gefängnis von Guantanamo und Guantanamo Bay navigieren. Vor dem Internet waren diese Zonen tatsächlich blinde Flecke auf der Landkarte. Mit dem Internet und mobilen Telefonen mit hochauflösenden Kameras werden auch diese Orte kartographierbar. Dafür bedarf es jedoch intensiver Bildrecherche und deduktiver Bildanalyse im Netz. Für zwei der verbotenen Zonen haben sich die beiden Schweizer Künstler diese Mühe gemacht und alle frei zugänglichen Bilder im Netz, die mit diesen Orten in Verbindung stehen, gesammelt und ausgewertet. Neben Guantanamo ist so auch ein 3D Walkthrough durch ein islamisches Trainingslager im Sudan entstanden. Sie sind dabei auf Homepages von Veteranen, Soldaten-Blogs aber auch offizielle Berichte gestossen und haben die zahllosen Fragmente zu einem neuen Ganzen zusammengefügt, um eine freie Meinungsbildung zu ermöglichen. Die Bildwelten bestehen jedoch ihrerseits aus der Rekonstruktion von «blinden Flecken» der ausgewerteten Bilder und sind daher ebenso fiktiv wie wahrheitsgetreu. Sie ermöglichen es erstmals, sich ein eigenes Bild der Sperrzonen zu machen. So haben Wachter und Jud grosses internationales Aufsehen erregt, als sie etwa erstmals das bis dahin nicht bestätigte Kindergefängnis in einem ehemaligen Offiziershaus auf Guantanamo Bay zu lokalisieren und seine Ausmasse zu rekonstruieren vermochten.
Wachter und Jud überwachen mit ihrer Arbeit quasi die Kontrollorgane, Militär, Staat und Geheimdienste. Mit jedem Bild, das wir ins Netz stellen, lassen wir uns und andere jedoch ebenso wieder von diesen überwachen und sind bereits heute gläserne Bürgerinnen und Bürger. Das wird durch diese Arbeit umso deutlicher: selbst militärische Sperrzonen sind nicht sicher. Das Netz selbst ermöglicht sowohl Aufklärung als auch Missbrauch, es stellt sich in den Dienst derer, die es verwenden: wir alle. Wachter & Jud tragen ihren Teil dazu bei, es für die Demokratie und freie Meinungsbildung einzusetzen.
(Text: Bettina Back)

Artist Bio

Christoph Wachter, *1966 und Mathias Jud, *1974, beide aus Zürich stammend, arbeiten gemeinsam seit 2000 an partizipativen Community-Projekten. Ihre Werke wurden in zahlreichen Institutionen auf der ganzen Welt gezeigt, so unter anderem bei der nGbK Berlin, im Kunsthaus Dresden, der Manchester Art Gallery, der Galerie IG Bildende Kunst Wien, an der Ars Electronica in Linz, am File Festival São Paulo und Rio de Janeiro, am Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest und im Kunsthaus Langenthal in der Schweiz. Seit 2016 haben sie die Leitung der Kunsthalle am Hamburger Platz (KHHP) inne, mit einer fachbereichsübergreifenden Gastprofessur an der Weißensee Kunsthochschule Berlin. Heute arbeiten und leben sie in Berlin und Zürich.