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Rita Hajj, A turn on, a turn off, 2021

Net Encounters – Rita Hajj, A turn on, a turn off

Für Net Encounters teilt die Künstlerin Rita Hajj einen Monat lang einen Live-Stream ihrer Kaffeemaschine. Sie lädt das Publikum ein, Bilder ihrer Kaffee- oder Teekanne hochzuladen, während sie eine Reflexion über die Geschichte des Worldwideweb und die Entwicklung von Live-Streaming und Online-Interaktionen entwickelt.

Veranstaltung/Net Encounters, Online

01.05.2021 31.05.2021

Instagram @ritahajj

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Portrait Rita Hajj. Foto: Anastasia Mityukova

Im Jahr 1991 stellte das Computerlabor der Universität Cambridge eine Kamera auf, um ihren Mitarbeitern Live-Bilder ihrer Kaffeekanne zu liefern. Jahre später wurde die Kamera mit dem Internet verbunden und wurde zu einem der ersten Live-Streams. Rita Hajj stellt in A turn on, a turn off dieses historische Ereignis in ihrem Studio nach, indem sie dem Publikum über eine Webseite den Zugang zu ihrer eigenen Kaffeekanne ermöglicht. Zudem lädt sie die Nutzer*innen ein, ein Bild ihrer Kaffeekanne zu teilen. Dazu sollten die Benutzer*innen die entsprechende Webseite besuchen, der Teilnahme zustimmen und ihr Bild hochladen. Danach, erhalten sie ein algorithmisch generiertes Bild, das auf einem Datentraining von Kaffeekannen basiert. Die Betrachter*innen tragen zu den maschinellen Lernalgorithmen bei, die das Bild generieren. In diesem Sinne entwickelt Hajj durch ihre Arbeit eine subtile Kritik an den sozialen und kommerziellen Dynamiken, die sich online entwickelt haben. Von einem Raum des gegenseitigen Austauschs hat sich das Internet in ein Terrain verwandelt, in dem die Benutzer*innen unwissentlich für die Sammlung von Informationen für den Profit ausgenutzt werden.

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Statement von Rita Hajj:

"Diese Arbeit entstand aus einer Befragung über eine Begegnung mit einem digitalen Bild. Sie rekonstruiert das, was als die erste Webcam der Welt bekannt wurde, die 1991 von Wissenschaftlern an der Universität Cambridge in England eingerichtet wurde. Später, 1993, übertrug dieselbe Kamera live über einen Computer die Überwachung der Kaffeemaschine: Dreimal pro Minute lief das Bild einer Kaffeekanne ins weltweite Netz. Es wird gesagt, dass Millionen von Technikbegeisterten auf dieses Bild zugegriffen haben, über das mehrere Medien berichteten und um das sich viele Anekdoten rankten. "Von einer Neuheit, zu einer weithin sichtbaren Ikone, zu einem historischen Artefakt" das Bild wurde 2001 abgeschaltet, und die Kaffeekanne wurde für £3.350 über eBay versteigert. Bei der Entfaltung dieses Moments durch seine Rekonstruktion im Kontext und in der Geschichte des World Wide Web geht es nicht nur darum, Zeuge einer Vergangenheit zu werden, die uns zu Video-Chats oder Live-Stream-E-Commerce gebracht hat, sondern auch um die Verknüpfung von Interaktionen mit Transaktionen. Die Interaktionen im Social Web erheben den Anspruch, Inklusion zu bieten, indem sie die verführerische Idee eines verbundenen menschlichen Netzwerks betonen: Ein weltweites Miteinander. Wir - als Nutzer*innen - stimmen dieser verführerischen Idee zu, obwohl wir uns der Ausmasse ihrer Nicht-Demokratie bewusst sind. Es könnte gefragt werden: Wessen Technologie wird genutzt? Für wen ist sie zugänglich? Warum stimmen wir - als Nutzer*innen - einer Macht zu, die uns verführt, nicht nur durch die Nutzung der Technologie, sondern auch durch die Produktion von Bildern?"

Die 1993 in Beirut geborene Rita Hajj ist Künstlerin und Designerin und lebt seit 2016 in Genf. Nach ihrem Abschluss an der Académie Libanaise des Beaux-Arts im Jahr 2014 absolvierte sie 2018 einen Masterstudiengang an der Haute école d'Art et de Design-Genève. Durch neue Medien, Schreiben, Szenografie und Performance ist ihre Praxis eine fortlaufende Forschung, die die zeitgenössische Bildproduktion und deren Korrelation zu Geschichte und Techno-Politik untersucht. Rita war in Gruppenausstellungen bei LiveInYourHead (Genf), one gee in fog / two gees in eggs (Genf), CAC-Brétigny (Brétigny-sur-Orge), und Institut du Monde Arabe (Paris) vertreten. Ausserdem nahm sie an mehreren Programmen am Istituto Svizzero (Rom), Haus der Statistik (Berlin) und Kunsthalle im Lipsius-Bau (Dresden) teil. Kürzlich absolvierte sie einen Artist-Residency-Aufenthalt in La Cité Internationale des Arts (Paris) und arbeitet derzeit an einer Publikation bei Editions Clinamen.

Anmerkung der Künstlerin: Dieses Projekt wurde dank der technischen Unterstützung des Künstlerkollegen und Forschers Alex Gence ermöglicht.

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