Lauren Huret, Manila stories (chasing ghosts on social media), 2018

Schweizer Medienkunst: !Mediengruppe Bitnik, Fragmentin, Lauren Huret – Pax Art Awards 2018

In Zusammenarbeit mit der Art Foundation Pax wurden 2018 erstmals die Pax Art Awards verliehen. Dieses Jahr präsentiert das HeK Arbeiten – darunter auch neue Werke – der Preisträger_innen !Mediengruppe Bitnik, Fragmentin und Lauren Huret.

Ausstellung

21.02.2019 - 21.04.2019

Eintritt: 9 / 6 CHF (red.)

Image courtesy: !Mediengruppe Bitnik, Omsk Social Club, Knoth & Renner

Die Ausstellung Schweizer Medienkunst: !Mediengruppe Bitnik, Fragmentin, Lauren Huret besteht aus drei Einzelausstellungen zu den jeweiligen Preisträger_innen der Pax Art Awards 2018. Mit dem Preis wurden im Juni 2018 erstmals zwei Künstlergruppen und eine Künstlerin aus der Schweiz ausgezeichnet. Die in der Ausstellung präsentierten Positionen befassen sich mit digitalen Technologien und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft sowie deren wirtschaftliche Dynamik. Die Künstler_innen äussern einerseits Bedenken hinsichtlich der immer stärker werdenden Verknüpfung von digitalen Systemen und wirtschaftlichen Prozessen sowie der daraus resultierenden potenziellen Entfremdung. Gleichzeitig laden sie die Besucher_innen ein, Kontrolle über die uns zur Verfügung gestellten Instrumente zu übernehmen und so eine menschlichere Richtung einzuschlagen.

Die !Mediengruppe Bitnik, bestehend aus Carmen Weisskopf und Domagoj Smoljo, haben sich als eine der wichtigsten Stimmen in der Medienkunstszene der Schweiz etabliert. Das Duo befasst sich mit gesellschaftlich relevanten Themen von öffentlichem Interesse wie zum Beispiel der Überwachung von Individuen, der kommerziellen Anwendung von Chatbots oder der Schattenwirtschaft des Darknet. In ihren jüngsten Arbeiten erkundet die Künstlergruppe, wie sich die digitale Revolution auf wirtschaftliche Dynamiken und Themenkomplexe auswirkt und wie diese wiederum unser Sozialverhalten beeinflussen. In der Arbeit Random Darknet Shopper (2014) hat die !Mediengruppe Bitnik einen automatisierten Online-Shopping-Bot programmiert, welcher zufällig Artikel im Darknet einkaufte und diese in den Ausstellungsraum liefern liess. Dabei wurde die Frage nach der Verantwortung illegaler Handlungen durch einen Bot aufgeworfen. Die Arbeit Postal Machine Decision beschäftigt sich mit der Automatisierung der Postdienste: Die !Mediengruppe Bitnik hat dafür einundzwanzig Pakete mit zwei unterschiedlichen Lieferadressen – eine in Halle (Saale) und eine in Brüssel – verschickt. Die mit Hilfe von Barcodes, Scannern und programmierten Anweisungen arbeitenden, automatisierten Postzentralen waren mit den Paketen komplett überfordert und schickten diese immer wieder hin und zurück – was das Künstlerduo per GPS-Tracker am Bildschirm verfolgen konnte.

Jüngst haben Carmen Weisskopf und Domagoj Smoljo in Zusammenarbeit mit dem OMSK SOCIAL CLUB Cryptoraves entwickelt: performative Events rund um Live-Action-Rollenspiele, Tanzpartys und Kryptowährungen. Besucher_innen sind eingeladen, sich an der partizipativen Performance zu beteiligen, indem sie sich auf der Cryptorave-Website registrieren und ihrem Computer erlauben, die anonyme Kryptowährung Monero zu „minen“, um so Informationen zur Party und der zu spielenden Rolle freizuschalten. Im März findet im HeK die achte Ausgabe eines solchen Cryptoraves statt.

Fragmentin, bestehend aus Laura Perrenoud, Marc Dubois und David Colombini, arbeitet an der Schnittstelle von Kunst und Design. Das Studio erforscht die Grenzen zwischen der digitalen und der physischen Umwelt und untersucht die Auswirkungen von Technologie auf unseren Alltag. Displuvium, ihr jüngstes Werk, welches Fragmentin in Zusammenarbeit mit dem Designer Renaud Defrancesco für die Ausstellung im HeK realisiert hat, befasst sich mit dem kontroversen Thema Geo-Engineering und insbesondere dem Cloud Seeding – einer Praxis, welche Wetterentwicklungen beeinflussen und verändern kann und von vielen Ländern seit den 40er Jahren weiterentwickelt und auch angewendet wird. Nebst weiteren Arbeiten präsentiert das HeK zudem eine aktualisierte Version des Werks 2199, einer Virtual-Reality-Installation, welche User_innen auffordert, bestimmten Anweisungen zu folgen, woraus eine Art unfreiwillige Choreografie entsteht. Mit dieser Arbeit hinterfragen die Künstler_innen Formen von Kontroll- und Autoritätsfunktionen durch populäre Medien und die Bereitschaft der Bevölkerung, diesen zu folgen.

Die Arbeiten von Lauren Huret untersuchen, wie digitale Medien unser soziales Verhalten zunehmend beeinflussen. Die Künstlerin nutzt Tools und Anwendungen gängiger Smartphone-Applikationen, um persönliche Geschichten zu erzählen. In Deep Blue Dream IV stellt sich Huret gefangen in einem Flachbildschirm dar; ihr Körper bewegt sich langsam unter der transparenten Oberfläche und wird gegen den lichtdurchlässigen Bildschirm gedrückt. Diese Arbeit ist einerseits Selbstporträt und andererseits Darstellung einer komplizierten Beziehung zwischen Mensch und Bildschirm, in der wir uns immer mehr verlieren. In ihrem jüngsten Videowerk Paying for my Haters präsentiert Huret ihre Arbeit zu sogenannten Content-Moderator_innen in Manila, die anstössige Inhalte aus sozialen Netzwerken entfernen. Ihr Video zeigt die Schwierigkeiten und das Leiden dieser unbekannten und unterbezahlten Arbeiter_innen. Für die Ausstellung im HeK wird Huret eine neue fortlaufende Arbeit, Executive Realness, entwickeln, die einen Livestream zeigt, der aus der laufenden Forschung der Künstlerin über Hochfrequenz-Handelsalgorithmen, welche im Börsenmarkt angewendet werden, entsteht. 

Die Art Foundation Pax ist eine unabhängige Stiftung zur Förderung der digitalen und medienbasierten Kunst der Schweiz und wird finanziell unterstützt von Pax. Mit den Pax Art Awards, wegweisenden Preisen für digitale Kunst, ehrt und fördert die Art Foundation Pax in Zusammenarbeit mit dem HeK, medienspezifische Praktiken Schweizer Künstler_innen, deren Werke Medientechnologien nutzen, beziehungsweise deren Auswirkungen reflektieren.

Kurator: Boris Magrini

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