Trailer

dgfgf

Dies sind die zehn Projekte, die es in die Endauswahl des „net based - Preis für netzbasierte Kunst“ 2016 geschafft haben. Den Hauptpreis gewannen die zwei Projekte "Deli Near Info" von Harm Van den Dorpel und "Can you hear me?" von Christoph Wachter & Mathias Jud. Der Publikumspreis ging an Julia Weist für das Projekt "Reach". 

Meet Z (2014)

Auto Italia (Marleen Boschen, Kate Cooper, Marianne Forrest)

Die Arbeit "Meet Z" simuliert, wie ein persönlicher Guide in der Zukunft aussehen könnte. Auf einer Online-Plattform kann der Kunde – also der Nutzer – kontinuierlich scrollen, um Dienstleistungen angeboten zu bekommen, die von Produktivitätsberatungen bis hin zu kreativen Kollaborationen reichen. Mit einem eindeutigen ironischen Unterton, erinnert die Beschreibung der Arbeit von Auto Italia an ein Werbeangebot für einen Yoga- oder Personal-Trainer. 

Transhumanistische Diskurse reflektierend, brechen sie wiederum mit diesen durch Bildstörungen und –fehlern und erreichen damit eine Verbindung zwischen den höchsten technologischen Entwicklungen und offenkundigen inneren Fehlern. So bleibt ein verstörender Eindruck des ‚Dazwischen’, zwischen einer kritischen Haltung und einem realen futuristischen kommerziellen Potenzial.

Artwork: http://autoitaliasoutheast.org/meetz
Artist homepage: http://autoitaliasoutheast.org

Random Darknet Shopper (2014 - ongoing)

!Mediengruppe Bitnik (Carmen Weisskopf, Domagoj Smoljo)

Der „Random Darknet Shopper“ der !Mediengruppe Bitnik ersteigert automatisch einen zufallsbedingten Artikel auf einen der berüchtigten Märkte des Darknets. Das Werk, raffiniert ausgeführt (umgehend erregte es grosses Aufsehen in den Massenmedien), ist nicht nur eine überzeugende Duplikation des Nervenkitzels des Darknets; Es erschafft durch den Bot eine Entität ohne Identität und wirft somit eine Ebene von Fragen der Online-Anonymität und –Privatsphäre auf. Es gewährt Aussenstehende eine Einsicht in die Kosten eines Bruchs mit einem Trust-System. Der Kern des Werkes geht jedoch viel weiter über das Darknet hinaus: Er wirft Fragen über die Konsequenzen auf, die von Code ausgelöst werden. Wer handelt, und wer ist verantwortlich?

Connection Has Timed Out (2015 - ongoing)

Anne de Boer

Die Schönheit dieses Werkes liegt in ihrer Einfachheit. Meistens erleben wir das Internet als so unvorstellbar gross und komplex, dass wir es mit der Vorstellung der Cloud ersetzen. Hier wird sie – zu ihrem materiellen Kern reduziert –von der Energiequelle, die den Server antreibt bis zum Bildschirm, welcher die Information dem User anzeigt, sichtbar gemacht. Die Energie wird von einem Solarmodul generiert, sodass die Verfügbarkeit der Information vom Rhythmus der Sonne am Ausstellungs-Ort abhängt.

Citizen Ex (2015)

James Bridle

"Citizen Ex" ist ein Online Projekt, dass die politische Realität des Internets und den Einfluss des Internets auf Politik verdeutlicht und von Zehntausenden heruntergeladen wurde. Eine Cross-Browsererweiterung verfolgt die Bewegung der Nutzer im Internet und zeigt ihnen die physischen Standorte der besuchten Webseiten. Das Programm deckt damit die physische, politische und juristische Infrastruktur des Internets auf. Mit der Zeit erzeugt es eine algorhithmische Staatsbügerschaft für den Nutzer und beschreibt damit eine neue Art der Staatsbürgerschaft, die durch eigenes Verhalten anstatt durch den Geburtsort bestimmt wird. Die neue algorithmische Staatsbürgerschaft basiert auf den exakt gleichen Daten, die Überwachungsinstitutionen und soziale Netzwerke nutzen, ermöglicht uns aber über das eigene Verhältnis zum Staat und zu Unternehmen und deren Verbindungen untereinander zu reflektieren.

Artwork: http://citizen-ex.com, http://booktwo.org/notebook/citizen-ex/
Artist homepage: http://shorttermmemoryloss.com

Loophole For All (2013)

Paolo Cirio

„Loophole for All“ ist ein raffinierter Medienhack des italienischen Künstlers Paolo Cirio. Gängige Prinzipien der globalen Finanzwelt legt er anhand ihrer eigenen Prinzipien offen und schafft so für Jedermann die Teilhabe an den Möglichkeiten der Steuerhinterziehung mittels Offshore-Konten. Die künstlerische Arbeit überzeugt in ihrer konzeptuellen Qualität und Aktualität, indem sie mittels künstlerischer Intervention auf Missstände im globalen Steuersystem aufmerksam macht und gleichzeitig auf die negativen Konsequenzen hinweist, die diese im Finanzsektor gängigen Praktiken mit sich bringen.    

Deli Near Info (2014 - ongoing)

Harm van den Dorpel

Harm van den Dorpels „Deli Near Info“ ist ein soziales Netz, welches auf das Level eines konzeptuellen Kunstwerkes gehoben wird. Durch den regelmässigen Gebrauch arrangiert die Plattform Text, Bilder und Sound in gelernte aber nicht lineare Assoziationen – man stelle sich ein künstlich intelligentes Pinterest auf LSD vor. Mit hunderten von Erstanwendern, fordert „Deli Near Info“ die Struktur der internen sozialen Netzwerke heraus, dadurch dass sie eine Alternative zu deren Linearität anbietet. Da diese Linearität Objektivität voraussetzt, wird oftmals nicht deutlich, dass diese hoch konstruierten Online-Umfelder unsere Denkmuster beeinflussen. Van den Dorpels Plattform bringt uns bei, dass diese Plattformen politische aufgeladene Räume sind, die im Kern ihrer Infrastruktur kritisiert werden müssen.

Artwork: http://delinear.info/
Artist homepage: http://harmvandendorpel.com

Horny Lil Feminist (2015)

Ann Hirsch

Das Werk „Horny Lil Feminist“ von Ann Hirsch taucht in die hoch umstrittene Arena der weiblichen Online-Selbstdarstellung ein. Hirsch verwendet dabei ihre eigenen Bilder um gegenwärtige Gender-Rollen und Sexualität mit Humor und Offenheit zu erkunden. Ihre kurzen und prägnanten Videos führen die Tradition des frühen feministischen Films und Videos weiter, in denen viel eher die Materie und nicht die Aufmerksamkeit von Bedeutung war.  Da wir die Auswirkungen von Technologie auf die Entwicklung unserer Geschlechter und auf unsere sexuelle Identitäten erst zu verstehen beginnen, ist Hirschs Werk eine furchtlose Aktualisierung der feministischen wie auch der neuen medienbasierten Praktiken.

Artwork: http://www.hornylilfeminist.com/
Artist homepage: http://therealannhirsch.com

Dark Content (2015)

Eva and Franco Mattes

Eva und Franco Mattes neuestes Werk „Dark Content“ blickt hinter die Fassade der sauberen und familienfreundlichen Plattformen, auf der wir immer mehr unsere Online Zeit verbringen. Es sind nicht Bots, die diese Plattformen sauber halten, sondern unterbezahlte Arbeiter in Bulgarien oder auf den Philippinen. Die Interviews des Künstlerpaares mit einigen dieser sogenannten content moderators (Inhalts-Moderatoren), welche die als anstössig oder schockierend geltenden Inhalte aussondern, stellen die Basis von „Dark Content“ dar. Die Video-Reihe – die selber keine schockierenden Bilder enthält – ist nur im Darknet zugänglich, das als Gegenstück zum zunehmend kontrolliertem Mainstream Web gilt.

Artwork: http://5cqzpj5d6ljxqsj7.onion (only accessible with Tor-Browser)
Artist homepage: http://0100101110101101.org

Can You Hear Me? (2014)

Christoph Wachter & Mathias Jud

In ihren Interventionen befragen die beiden Schweizer Künstler die Zugänge zum digitalen Raum und die ihm zugrundeliegende Infrastruktur. Auf der Schweizer Botschaft in Berlin – in nächster Nähe des Deutschen Kanzleramts – bauen sie Holztürme mit selbstgebauten Antennen aus einfachen Dosen und errichteten damit ein Mesh-Netzwerk, mithilfe dessen anonym kommuniziert werden kann. In einem von Nachrichtendiensten hoch überwachten Raum ermöglichen sie einen Raum für Austausch, wo beispielsweise anonym Nachrichten an die NSA geschickt werden können. 

Die Arbeit von Wachter/Jud ist ein beeindruckendes Beispiel für eine künstlerische Praxis, die partizipativ ausgerichtet ist und auf die Schaffung von Communities setzt. Ihre künstlerische Strategie schafft ein Bewusstsein für die Abhängigkeiten und Regularien einer global vernetzten Welt. Mit ihrer Intervention erobern sie den digitalen Raum zurück als Ort der freien Kommunikation. 

Reach (2015-2016)

Julia Weist

Julia Weist ist Bibliothekarin und neokonzeptuelle Künstlerin. In einer Publikation aus dem 17. Jahrhundert aus der New York Public Library traf sie auf den Begrif ‘parbunkells’. Sie stellte fest, dass es bis dahin noch keinen einzigen Online Eintrag bei existierenden Suchmaschinen für diesen Begriff gab. Im Juni 2015 lancierte sie deshalb eine Werbeaktion, um dieses Wort an die Massen ‚zu verkaufen’. Sie liess den Begriff auf gigantische Plakatwände in Queens (New York, USA) drucken. Die Arbeit bekam Tausende von öffentlichen Reaktionen und bewirkte eine beispiellose Online Präsenz des Begriffs. Mit dem Projekt in Form einer werbestrategischen Spielerei, fragt Weist nach öffentlichem Engagement und nach dem kommerziellen Potenzial einer weissen Wand für das Internet. 

Artwork: https://www.google.com/#q=parbunkells, http://work.deaccession.org/reach/
Artist homepage: http://work.deaccession.org