Ralf Baecker, Mirage, 2014, Installation

unREAL. Die algorithmische Gegenwart

Die Ausstellung untersucht die Komplexität unserer digitalen Zeit und präsentiert anhand von 24 Werken die oft verborgene Materialität der Bits und Bytes.

Ausstellung

08.06.2017 - 20.08.2017

Eintritt: 9 / 6 CHF (red.)

Links: http://www.chronusartcenter.org

Ralf Baecker, Mirage, 2014, Installation

Die Kunst ist schon immer der Prüfstand für einen Begriff des Realen. In der zeitgenössischen Kunst der letzten fünfzig Jahre war das Konzept des Realen oft als ein verkörpertes Engagement der gesellschaftlichen Transformation und einer imaginierten Utopie gegen einen bildhaften Formalismus charakterisiert. Mit dem Aufkommen einer massenhaften Nutzung des Internets und dem allgegenwärtigen Einsatz von digitalen Geräten haben ein technologisch konstruiertes Zeit- und Raumkontinuum unsere Vorstellung von Zeitlichkeit und Räumlichkeit, von Arbeit und Spiel, von Politik und Ökonomie weitgehend umgestaltet. Die Realität hat ein neues Niveau an Komplexität erreicht, dass sich einer leichten Kategorisierung und Bedeutungszuschreibung widersetzt. 

Die Ausstellung unREAL versucht, die digitale Gegenwart durch die Mittel der technologischen Intervention kritisch zu hinterfragen, wie auch auf alternative Perspektiven zu untersuchen. Die vierundzwanzig Werke internationaler Künstlerinnen und Künstler in der Ausstellung unterstreichen die oft verborgene Materialität von Bits und Bytes. Sie bringen die algorithmischen Prozesse in den Vordergrund, die unsere digitale Gegenwart konstituieren.

Einige der Werke wurden spezifisch für den Kontext der Ausstellung realisiert, so beispielsweise das neue kinetische Werk ?Ton/2 des Schweizer Künstlerduos Cod.Act oder die Lichtinstallation Untitled - Plato’s Cube des chinesischen Künstlers Wang Yuyang, die sich im Laufe der Ausstellung fast unmerklich moduliert. Der Schweizer Künstler Pe Lang erweitert seine Werkserie Modular dreidimensional in den Raum und die Schweizer Künstlerin Zahra Poonawala präsentiert erstmals ihre interaktive Klanginstallation The Fool’s Ballad. Der Klangraum reflex des bekannten deutschen Künstlers Carsten Nicolai kreiert als begehbare Skulptur eine akustische Illusion für die Besucher. In der Arbeit Wanderer der deutschen Künstlerin Kerstin Ergenzinger erzeugen kleine Thermodrucker dynamisch eine Zeichnung im Ausstellungsraum. Mit 1 + N chairs würdigt der kolumbianische Künstler Fito Segrera die ikonische Arbeit des Konzeptkünstlers Joseph Kosuths und erweitert diese um den Einsatz von technologischer Intelligenz. Die Werkserie Small Data des spanischen Künstlers Daniel Canogar zeigt kollektive Erinnerungen an alte elektronische Geräte, wie Mobiltelefone, Harddrives oder Fernbedienungen. In der Installation Mirage des deutschen Künstlers Ralph Baecker wird eine synthetische Landschaft konstruiert, die auf dem sich verändernden Magnetfeld der Erde beruht. Der chinesische Künstler aaajiao wiederum beschwört in seinen Werken computergenerierte Landschaften und Objekte. Die Arbeit Stranger Visions der amerikanischen Künstlerin Heather Dewey Hagborg hat mit der Herstellung von Gesichtern basierend auf DNA-Spuren an öffentlichen Plätzen weltweit für Furore gesorgt. 

Indem sie die Mechanismen und die Mittel digitaler Prozesse in poetischen Installationen und immersiven Projektionen offen legen, machen die Werke in der Ausstellung die neue Realität anschaulich, die sich in der Materialität der Medien, basierend auf zahllosen Datenströmen, als Kern einer zeitgenössischen Erfahrung manifestiert. In der Imagination neuer zeitlich-räumlicher Modalitäten und durch radikale sensorische Erfahrungen macht die Ausstellung deutlich, dass die Politik des Realen nicht mehr nur in der Sphäre des Sozialen liegt. Sie verweist darauf, wer das Eigentum an dieser neuen Realität hat, die auf der Materialität der Bits und Bytes und der algorithmischen Kraft des Digitalen basiert. 

Die installativen Werke der Ausstellung werden durch das Projekt TRANSFER Download ergänzt, das als immersive Umgebung konzipiert wurde. Ein Dutzend Kunstwerke, von virtueller Realität, algorithmisch erzeugten Videos bis hin zu webbasierten Werken, werden in einer Videoinstallation präsentiert. Das Programm dieser Installation wurde von der TRANSFER Gallery in New York konzipiert und für die Ausstellungen im HeK und dem Chronus Art Center adaptiert. 

Die Ausstellung unREAL wird als Koproduktion in Partnerschaft mit dem Chronus Art Center in Shanghai realisiert und wird nach der Präsentation im HeK vom 12. November 2017 bis zum 28. Januar 2018 in Shanghai zu sehen sein.

Künstler_innen: aaajiao, AES+F, LaTurbo Avedon, Ralf Baecker, Daniel Canogar, Cod.Act, Heather Dewey- Hagborg, Kerstin Ergenzinger, Claudia Hart, Pe Lang, Rollin Leonard, Rosa Menkman, Lorna Mills, Harvey Moon, Carsten Nicolai, Eva Papamargariti, Zahra Poonawala, Sabrina Ratté, Fito Segrera, Rick Silva & Nicolas Sassoon, Phillip David Stearns, Daniel Temkin, Wang Yuyang.

Kurator_innen: Sabine Himmelsbach und Zhang Ga

Vernissage: 07.06.2017, 19:00

Info
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Heather Dewey- Hagborg, Stranger Visions, 2012-2013 (left), Pe Lang, modular | no 1, 2017 (right), Photo: Gina Folly
Heather Dewey- Hagborg, Stranger Visions, 2012-2013, Photo: Gina Folly
Pe Lang, modular | no 1, 2017, Photo: Gina Folly
Zahra Poonawala, The Fool’s Ballad, 2016, Photo: Gina Folly
Daniel Canogar, Small Data, 2014-2016, Photo: Gina Folly
Wang Yuyang, Plato’s Polyhedron, 2017, Photo: Gina Folly
Kerstin Ergenzinger, Wanderer-Spacetime Poetry, 2017, Photo: Gina Folly
Kerstin Ergenzinger, Wanderer-Spacetime Poetry, 2017, Photo: Gina Folly
Kerstin Ergenzinger, Wanderer-Spacetime Poetry, 2017, Photo: Gina Folly
Carsten Nicolai, reflex, 2004 und Wang Yuyang, Plato’s Polyhedron, 2017, Photo: Gina Folly
Cod.Act, PiTon/2, 2017, Photo: Gina Folly
Carsten Nicolai, reflex, 2004, Photo: Gina Folly
Ralf Baecker, Mirage, 2014, Photo: Gina Folly
Zahra Poonawala, The Fool’s Ballad, 2016 (left), Daniel Canogar, Small Data, 2014-2016 (right), Photo: Gina Folly
aaajiao, Limited Landscape, Unlimited Floating, 2015, Photo: Gina Folly
Daniel Canogar, Small Data, 2014-2016 (left), Kerstin Ergenzinger, Wanderer-Spacetime Poetry, 2017 (right), Photo: Gina Folly
Fito Segrera, 1 & N chairs, 2017, Photo: Gina Folly
Ralf Baecker, Mirage, 2014, Photo: Gina Folly
Laturbo Avedon, ID, 2015, Photo: Gina Folly
Lorna Mills, Wnrwnrchickndnr, 2016, Photo: Gina Folly
AES+F, Last Riot, 2005-2007, Photo: Gina Folly
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Unterstützer

Die Arbeit "Wanderer-Spacetime Poetry" von Kerstin Ergenzinger entstand mit Unterstützung des EU-geförderten Projekts nuClock (nuclock.eu).

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